Unterkomplexes Väterrecht ist menschenrechtswidriges Väterrecht

Komplexe Familienverhältnisse erfordern ein komplexes Familienrecht. Das deutsche Familienrecht mit seiner Entscheidung, in einer Ehe geborene Kinder als Kinder der Eheleute zu behandeln und den biologischen Vater möglichst draußen zu halten, ist unterkomplex. So sieht das der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) und hat aus diesem Grund heute der deutschen Justiz mal wieder tüchtig eins auf die Mütze gegeben.

Erst im Dezember 2010 hatte der EGMR im Fall Anayo einem Mann, der mit einer verheirateten Frau ein Kind gezeugt und familienrechtlich mit diesem in einer Ehe geborenen Kind nicht verwandt ist, trotzdem zu einer Rechtsposition verholfen, die in den Schutzbereich des Art. 8 EMRK (Recht auf Familienleben) fällt – auch wenn er das Kind nie gesehen hatte und daher eigentlich gar kein Familienleben, das geschützt werden könnte, hatte. Dem EGMR reichte, dass er sich um ein solches Familienleben aktiv bemüht hatte.

Im heute entschiedenen Fall Schneider bekräftigt der EGMR diese Linie noch einmal nachdrücklich, und geht noch einen Schritt weiter: Auch wenn gar nicht feststeht, dass man überhaupt Vater des Kindes ist, darf einem nicht pauschal der Umgang mit dem Kind verwehrt werden.

Das ist konsequent: Dem EGMR geht es nicht darum, die Frage der Vaterschaft biologistisch zu entscheiden und Männern, die mit anderer Leute Ehefrauen schlafen, zu dem Recht zu verhelfen, deren Familien kaputtzumachen.

Vielmehr geht es, wie schon in Anayo, um das Versäumnis der deutschen Gerichte, sich mit den konkreten Umstände des Falls zu befassen – vor allem mit den Belangen des Kindes ...

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