Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht noch was Besseres findet

Eine Scheidung ist in Deutschland schon lange kein Stigma mehr. Bei rund 186.000 Scheidungen, die im Jahr 2009 deutschlandweit registriert wurden, sind gescheiterte Ehen inzwischen gesellschaftsfähig. Gleiches gilt für die Zweit- oder Drittehen sowie die Familienform der „Patchworkfamilie“. Ernsthafte Probleme kann eine Zweitehe jedoch dann bereiten, wenn man in einer Einrichtung der katholischen Kirche arbeitet. Hier gelten besondere Regeln.

Spannend wird es dann, wenn solche Fälle vor den Arbeitsgerichten landen. So hat der 2. Senat des BAG hat in einer aktuellen Entscheidung klargestellt, dass die Wiederverheiratung eines katholischen Chefarztes nicht in jedem Fall seine ordentliche Kündigung rechtfertigt.

Die Richter bestätigten zwar, dass Religionsgemeinschaften und die ihnen zugeordneten Einrichtungen nach wie vor das verfassungsmäßig verbriefte Recht hätten, von ihren Mitarbeitern ein loyales Verhalten im Sinne ihres jeweiligen Selbstverständnisses verlangen zu können. Der Loyalitätsverstoß müsse aber bei Abwägung der Interessen der Beteiligten ein hinreichend schweres Gewicht haben, um eine Kündigung rechtfertigen zu können.

Der Chefarzt eines katholischen Krankenhauses hatte im Jahr 2000 seine Stelle dort angetreten. Sein Dienstvertrag wurde unter Zugrundelegung der vom Erzbischof von Köln erlassenen Grundordnung des kirchlichen Dienstes im Rahmen kirchlicher Arbeitsverhältnisse vom 23. September 1993 geschlossen. Die Grundordnung schreibt den Mitarbeitern die Anerkennung und Beachtung der Grundsätze der katholischen Glaubens- und Sittenlehre vor. Bei schwerwiegenden Loyalitätsverstößen sieht die Grundordnung eine Kündigung aus „kirchenspezifischen Gründen“ vor. Als solch ein Verstoß wird der Abschluss einer nach dem Glaubensverständnis und der Rechtsordnung der Kirche ungültigen Ehe gewertet ...

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