Völkerrecht und Judentum

Wenn man sich die Geschichte des modernen Völkerrechts ansieht, fällt auf, dass außerordentlich viele seiner aus dem deutschen Sprachraum stammenden Begründer jüdischer Herkunft waren. Dieser Beobachtung versuchten heute Juristen, Historiker und Politologen bei einer Konferenz an der Berliner Humboldt-Universität auf den Grund zu gehen.

Ich war dort, und es war ziemlich spannend: Was, wenn überhaupt, fangen wir mit so einer Beobachtung an? Gibt es so etwas wie eine jüdische Identität, deren Spuren im Werk dieser Wissenschaftler nachweisbar sind? Und wenn ja, was folgt daraus für das Völkerrecht?

Reut Yael Paz, Völkerrechtlerin aus Israel, derzeit als Humboldt-Stipendiatin in Berlin und Organisatorin der Konferenz, erinnerte bei der Eröffnung der Konferenz daran, dass vor fast genau 85 Jahren am gleichen Ort eine andere, von Carl Schmitt organisierte Konferenz stattfand zu einem Thema, das beunruhigend nahe an dem des heutigen Treffens dran war: nämlich den „jüdischen Geist“ in der deutschen Rechtswissenschaft aufzuspüren und zu eliminieren. Davon galt es sich abzugrenzen. Ob das gelang, war durchaus umstritten.

Was bzw. wer macht Erich Kaufmann zu einem Juden?

Im ersten Panel ging es um die hauptsächlich theoretisch arbeitende Gründergeneration der Zwischenkriegszeit, um Lassa Oppenheim, Georg Jellinek, Hans Kelsen und Erich Kaufmann – vier Juristen, die man sich unterschiedlicher kaum vorstellen kann. Keiner von ihnen war praktizierender Jude, und die Panelisten, die über sie sprachen, beschränkten sich zumeist auch, ihren jeweiligen Beitrag zur Entwicklung des Völkerrechts darzustellen, ohne das Judentum des jeweiligen groß zu thematisieren ...

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