Nebenklageanschluss von Minderjährigen

Sexueller Missbrauch / Nebenklage / minderjährig KG Berlin, Beschluss vom 22.03.2010, Az.: 4 Ws 6/10, 4 Ws 6/10 – 1 AR 48

Dem Beschwerdeführer wurde unter anderem vorgeworfen, sich des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen in elf Fällen, davon in drei Fällen zum Nachteil des dann 16-jährigen und in drei Fällen zum Nachteil des sodann 14-jährigen Mohamed H., schuldig gemacht zu haben.

Die damals 16- und 14-jährigen Geschädigten wollten sich als Nebenkläger gemäß § 396 StPO dem Verfahren anschließen. Allerdings wussten ihre Eltern davon nichts und dürften auch laut Aussagen der Jungen aufgrund ihres kulturellen Hintergrundes nicht davon erfahren. Ansonsten hätten sie familiäre Probleme und Repressalien zu befürchten.

Das Landgericht hat die Nebenklage durch Kammerbeschluss bestätigt. Den Verletzten wurde ein Beistand bestellt.

Dagegen legte der Angeklagte Beschwerde ein. Zur Begründung führte er an, dass die minderjährigen Verletzten nicht prozessfähig seien und daher der Nebenklageanschluss nicht wirksam erklärt werden konnte. Das Landgericht half der Beschwerde nicht ab.

Der Fall kam zum Kammergericht Berlin. Bei der Klärung der Frage hat das Gericht verschiedene Ansatzpunkte beleuchtet. Zunächst wurden andere Regelungen zur „Altersgrenze“ gesucht und die Grenzen der Strafmündigkeit, der Geschäftsfähigkeit, der Einsichtsfähigkeit, der allgemeinen Reife und der allgemeinen Volljährigkeit herangezogen.

Dabei kam das Gericht zu folgendem Ergebnis:

„Vorliegend hatten beide Verletzte zum Zeitpunkt der Anschlusserklärung das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet und waren damit nicht prozessfähig. Ihre ohne Zustimmung ihrer Personensorgeberechtigten abgegebenen Anschlusserklärungen waren nicht wirksam ...

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