Rechtsgeschichtliche Fundstücke im Familienrecht - Das Fräulein Lehrerin

Kennen Sie auch noch das Fräulein Lehrerin?

Bei mir war es Fräulein Pfeiffer, die versucht hat, meiner nordhessischen Zunge das korrekte t-aitsch beizubringen.

1880 war das Lehrerinnenzölibat im Deutschen Reich per Ministererlass eingeführt worden. Es untersagte Lehrerinnen zu heiraten; auf eine Missachtung folgte die Kündigung. Man traute der Lehrerin die Doppelbelastung von Familie und Beruf nicht zu

Abgeschafft wurde das Lehrerinnenzölibat (zunächst) in der Weimarer Reichsverfassung

Art. 128 II

Alle Ausnahmebestimmungen gegen weibliche Beamte werden beseitigt.

Schon im Oktober 1923 wurde es aus arbeitsmarktpolitischen Gründen wieder eingeführt: Die „Personalabbauverordnung“ erlaubte die Entlassung verheirateter Beamtinnen, um in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Stellen für Männer zu sichern. Unverheiratete Lehrerinnen mussten eine „Ledigensteuer“ –einen zehnprozentigen Lohnsteueraufschlag– bezahlen.

Erst 1951 wurde die Personalabbauverordnung aufgehoben. Im Dienstrecht des Landes Baden-Württemberg bestand bis 1956 die Regelung, dass eine Lehrerin den Dienst zu quittieren hatte, wenn sie heiratete.

Gleichwohl blieben viel Lehrerinnen freiwillig ledig ...

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