Philip Manows geistreiche Überinterpretation von Bildern

Wer sich mit der Visualisierung von Rechtsthemen beschäftigt, kommt nicht an der Frage vorbei, welche Bilder für Staat, Recht und Demokratie stehen.. Schwarz-Rot-Gold genügt wohl kaum. Hilfe bei der Antwort verspricht das Buch von Philip Manow, Im Schatten des Königs. Die politische Anatomie demokratischer Repräsentation, Edition Suhrkamp 2524, 2008, 10,00 EUR. Nach herrschender Meinung, so Manow, fehle in der modernen Demokratie das »Spektakuläre und Theatralische der Herrschaftsrepräsentation, das für das Ancien régime ja so charakteristisch war«. Der monarchistische Bilderzauber scheine durch demokratische Vernunft und Nüchternheit ersetzt. Die moderne Demokratie kenne keine Bilder, ja sie sei wesentlich ikonoklastisch, so kennzeichnet Manow die gängige Vorstellung (die freilich nur mit einem ungenauen Habermas-Zitat belegt wird, S. 8). Dagegen will Manow zeigen, »dass der oft für tot erklärte politische Körper auch in der Demokratie lebendig ist oder zumindest nachlebt« (S. 9) Oder ahistorisch formuliert: Jede Form der politischen Herrschaft, auch die Demokratie, erschöpft sich nicht in technischen Machtmitteln und Ressourcen, sondern benötigt eine symbolische Einkleidung (S. 13). Es folgen nun zwei Kapitel über parlamentarische Sitzordnungen und das Parlament als poltischen Körper, die bereits 2004 und 2006 im Leviathan abgedruckt waren. Etwas näher berichte ich deshalb nur über das neue Kapitel 4 mit dem Titel »Demokratische Körper/Despotische Körper«. Monarchien haben das Problem des Fortbestandes beim Tode des Herrschers, dass sie in der Regel durch Erbfolge lösen. Hobbes sprach von einer »artificiall eternity«. Demokratien lösen dieses Problem zwar »auf eine intelligentere Art“, sind aber dennoch „auf symbolische Repräsentation der Nachfolgelösung angewiesen, die zuweilen auf die Doppelkörper-Rituale der Monarchie zurückverweisen« (S. 121) ...

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