Die Verträge zwischen Rechtsanwälten und Rechtsschutzversicherungen aus wettbewerbsrechtlicher Sicht

In dem von mir geschätzten Blog des Kollegen Hoenig wurde über die mögliche Interessenkollision von Rechtsanwaltskanzleien gesprochen, die Rahmenverträge mit den Rechtsschutzversicherungen abschließen. Der Focus in diesem Bericht lag auf dem Bereich der Interessenkollision auf Seiten des Anwaltes. Der Beitrag schloss mit dem Aufruf an die Kammern, die “Verräter vom Hof zu jagen”. Mir stellt sich hier die Frage, ob das Wettbewerbsrecht nicht bereits die Mittel dafür bereitstellt ?

Denn unter Umständen könnte der Vertrag zwischen Rechtsanwalt und Rechtsschutzversicherung durch die “Gebührenermäßigung” einen Verstoß gegen § 4 Nr 11 UWG iVm § 49b BRAO gebacht werden. Die BRAO ist unproblematisch als Marktverhaltensregelung im Sinne des § 4 Nr 11 UWG anzusehen (siehe etwa BGH, Urteil vom 1.6.2006, AZ: I ZR 268/03 – Gebührenvereinbarung II RN 11).

Jetzt müsste eben nur noch ein Verstoß gegen § 49b BRAO vorliegen, und die Abmahnung schreibt sich von selber.

Hier wird es schwierig.

Stellt eine Vereinbarung über die Gebührenreduzierung einen Verstoß gegen § 49b Absatz 1 BRAO dar ?

Nach § 49b Absatz 1 BRAO ist es unzulässig

“geringere Gebühren und Auslagen zu vereinbaren oder zu fordern, als das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz vorsieht.”

Da aber im Zivilrecht wie im Strafrecht im außergerichtlichen Bereich Rahmengebühren (§ 14 RVG) vorgesehen sind, kann hier ein Verstoß nur anhanden einer konkret nachweisbaren Vereinbarungnachgewiesen werden. Denn ansonsten würde bei jedem Fall die Rechtsschutzversicherung bzw die abgemahnten Rechtsanwälte entgegenhalten, dass immer eine nach dem RVG angemessene Gebühr abgerechnet wurde. Und allen Kollegen sind die seltsamen Gerichtsorakel bekannt, welche die Angemessenheit der Gebühren nach einem geheimen Ritus beschwören, so dass es fraglich erscheint, ob ein Gericht hier eine unangemssene Gebühr feststellt ...

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