Irgendein Professor über das Verhältnis zwischen Anwaltschaft und Rechtswissenschaft nach 1945

Vor kurzem habe ich auf die vom Deutschen Anwaltverein herausgegebene Festschrift “Anwälte und ihre Geschichte. Zum 140. Gründungsjahr des Deutschen Anwaltvereins”, Tübingen 2011, aufmerksam gemacht. Die FAZ hat mit einer Rezension nachgezogen. Heute will ich einmal auf den in der Festschrift enthaltenen Beitrag von Louis Pahlow, “Anwaltschaft und Rechtswissenschaft nach 1945″, S. 355—368, eingehen. Dieser hat mir die Freude an dem beeindruckenden Gemeinschaftswerk nämlich nachhaltig vermiest.

Pahlow beklagt sich in seinem Beitrag insgesamt darüber, dass “die Literatur der Anwaltschaft” gegen eine tiefe Verwurzelung ihrer Autoren in der Rechtswissenschaft spreche (S. 362). Pahlow stürzt sich zur Entwicklung dieser These sogleich auf den (untauglichen) Versuch einer Definition des Begriffs der Anwaltsliteratur und setzt den der Rechtswissenschaft als bekannt voraus. Mit Immanuel Kant, “Die Metaphysik der Sitten“, 1797, S. 229, wollen wir für unsere Zwecke von folgendem Begriff der Rechtswissenschaft ausgehen:

“Der Inbegriff der Gesetze, für welche eine äußere Gesetzgebung möglich ist, heißt die Rechtslehre (Ius). Ist eine solche Gesetzgebung wirklich, so ist sie Lehre des positiven Rechts, und der Rechtskundige derselben oder Rechtsgelehrte (Iurisconsultus) heißt rechtserfahren (Iurisperitus), wenn er die äußern Gesetze auch äußerlich, d. i. in ihrer Anwendung auf in der Erfahrung vorkommende Fälle, kennt, die auch wohl Rechtsklugheit (Iurisprudentia) werden kann, ohne beide zusammen aber bloße Rechtswissenschaft (Iurisscientia) bleibt. Die letztere Benennung kommt der systematischen Kenntniß der natürlichen Rechtslehre (Ius naturae) zu, wiewohl der Rechtskundige in der letzteren zu aller positiven Gesetzgebung die unwandelbaren Principien hergeben muß.”

Rechtsgelehrter kann danach also auch derjenige sein, dem es an Rechtserfahrenheit und Rechtsklugheit mangelt ...

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