Arbeitsteilige Abmahner, oder: Wieso wechseln die Bearbeiter?

Anwälte sind – zumindest formell – qualifiziert, einen Fall von Anfang bis Ende zu bearbeiten.

Im Bereich der Tauschbörsenabmahnungen kommt es jedoch vor, daß sich die bearbeitenden Kanzleien bzw. Inkassounternehmen abwechseln. Was für die Abgemahnten nur schwer nachvollziehbar ist, soll hier an einigen Beispielen erörtert werden.

Erster Fall: Kanzlei A mahnt ab und legt einen Auskunftsbeschluß vor, der von Kanzlei B erwirkt wurde. Hier handelt es sich um einen Fall der (internen) Arbeitsteilung, der wohl darauf zurückzuführen ist, daß der Auftraggeber derart viele Abmahnungen aussprechen läßt, daß diese nicht mehr von einer Kanzlei alleine bearbeitet werden können. Dies spricht für ein gleichsam manufakturmäßiges, standardisiertes Vorgehen, das bei etwaigen Kostenansprüchen zugunsten des Abgemahnten zu berücksichtigen ist. Gleichzeitig kann die Weitergabe von der ersten an die zweite Kanzlei zumindest theoretisch zu Datenfehlern führen, die bei der Fallbearbeitung zu prüfen sind.

Zweiter Fall: Eine Kanzlei mahnt ab, anschließend meldet sich ein Inkassobüro. Dieser Fall der „Nachbearbeitung“ wirft eine Reihe von Fragen auf. Zunächst ist zweifelhaft, ob ein Inkassounternehmen überhaupt über die nötige urheberrechtliche Sachkunde verfügt. Weiter stellt sich die Kostenfrage: die Inkassokosten dürften nicht zusätzlich einklagbar sein; da das Inkassounternehmen aber auch von etwas leben möchte, wird dessen Vergütung vermutlich zu Lasten der (behaupteten) Anwaltsgebühren gehen. Es wäre im Prozeß also zu klären, welche Vergütungsregeln getroffen wurden, da eine Regelung nach normalem Vergütungsrecht unwahrscheinlich erscheint. Wichtiger ist aber der psychologische Aspekt: viele Privatleute lasen sich von Inkassobriefen stärker beeindrucken, als dies nach den rechtlichen Möglichkeiten der Inkassounternehmen nötig wäre ...

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