Die Seher von Bochum

Gleich mache ich eine kleine Verteidigung in Bochum. Nichts spektakuläres. Bei der Vorbereitung auf den Prozeß las ich die gesamte, von meinem Büro kopierte Akte und finde ein Hauptverhandlungsprotokoll. Gedanke 1: Ich wusste gar nicht, dass es in der Sache schonmal eine Verhandlung gab. Gedanke 2: Das ist ja schon das Protokoll von morgen.

Tatsächlich: Das vorbereitete Protokoll ist schon in der Akte. Die Verhandlung beginnt pünktlich um 10.10 Uhr. Der Richter xy ist anwesend, auch die Urkundsbeamtin und sogar die Angeklagte ist anwesend.

Es ist natürlich nur der noch nicht weiter ausgefüllte Vordruck des Protokolls. Aber dennoch ist es schon bemerkenswert: Denn im Protokoll steht zum Beispiel schon, dass der Angeklagten das letzte Wort gegeben wird. Die Angeklagte wird auch über ihr Schweigerecht belehrt, sogar alle Zeugen werden umfassend belehrt. Auch wird die Mandantin nach dem Urteil darüber belehrt, dass sie gegen dieses Urteil Berufung oder Revision einlegen kann. Dazu muss man wissen, dass man etwaige Verfahrensfehler nahezu immer durch das Protokoll beweisen muss. Das Protokoll spricht die Wahrheit, es hat die sogenannte “absolute Beweiskraft” ...

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