Mit göttlichem Beistand war nicht zu rechnen ...

Vor vielen vielen Jahren, als ich noch Referendar bei der Staatsanwaltschaft war, bat mich eine Kollegin aus der AG, ich möge mich doch bitte anlässlich ihrer ersten Sitzungsvertetung zwecks Beruhigung der Nerven mit in den Zuschauerraum setzen - der Bitte einer lieben Kollegin kommt man natürlich nach und so setzte ich mich in den Saal.

Die Arme hatte schon den Umstand zu ertragen, dass der eigentlich vorgesehene Sitzungssaal außer Betrieb war und so die Sitzung in einen der Säle für die große Schwurgerichtskammer verlegt wurde (wohlgemerkt: als Referendare vertraten wir die StA beim Amtsgericht - Einzelrichter und ganz bestimmt nicht bei den großen Kammern des Landgerichts, wo dann auch schonmal Mord und Totschlag verhandelt werden!) hatte also für ihren ersten Auftritt ganz großes Kino einschließlich der obligatorischen Schulklasse im Zuschauerraum (ausverkauftes Haus also).

Zudem hatte sie noch einen Amtsrichter nahe an der Pensionierung - allerdings ausgestattet mit der gelassenen Routine eines erfahrenen rheinischen Richters mit eher großväterlicher Ausstrahlung. Nur des hochdeutschen war er nur sehr marginal mächtig und führte die Verhandlung (wie in Köln nicht unüblich) eigentlich maßgeblich auf kölsch (merke: Gerichtssprache in Köln ist kölsch!).

Zu alem Überfluss war dann im Saal auch noch die Lautsprecheranlage kaputt - im Saal selber ist das weniger problematisch; nur ist es dann etwas aufwendiger, Zeugen in den Saal zu rufen. Dieser Umstand wurde durch den Vorsitzenden sehr pragmatisch dadurch gelöst, dass er jeweils einen Zuschauer aus dem Publikum beauftragte, den jeweiligen Zeugen rein zu rufen - und zwar mit den Worten "Ach enä ... esch weiß et eja ooch net esu, woröm he d'r Mikros net jonn .... künne se jraad noh ens ...? D'r Mann heiß ... momendens .. ...

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