Kammergericht: Wenn der Anwalt in der Beschwerdeinstanz nur eineinhalb Seiten schreibt, kann der Streitwert gekürzt werden.

Der Anwalt hatte in einer Umgangssache in der Beschwerdeinstanz nur eineinhalb Seiten geschrieben. Das Kammergericht zog daraus (und aus dem Umstand, dass der Gerichtsakten nur 40 Seiten stark war) den Schluss, die Sache habe einen insgesamt geringen Aufwand verursacht; deshalb sei es angemessen, den Gegenstandswert um 1/3 auf € 2000,00 zu kürzen. Mit Verlaub gesagt: Diesen Zusammenhang herzustellen, ist relativ kühn. Aber es soll ja auch Leute geben, die den Geburtenrückgang in Deutschland darauf zurückführen, dass die Population der Störche in gleicher Weise abnimmt. Diese Art naiven Denkens unterstelle ich dem Kammergericht nicht. Ich gestatte mir aber, den Blick auf das Wesentliche und vor allem auf die Fakten zu lenken: In dem zur Entscheidung stehenden Fall ( FamRZ 2011, 825) ging es darum, dass der Vater auf Übernachtung während des Umgangs klagte und die Mutter dies mit recht wackeligen Argumenten und Rundumschlägen zu verhindern suchte: Der "kalte Zigarettenrauch" - Sie erinnern sich? Wir berichteten hier. Das Kammergericht mag sich vor Augen halten, welchen Arbeitsaufwand der/die die Mutter vertretende Kollege/Kollegin wohl in etwa hatte: Die Mutter erscheint nach Terminsvereinbarung in der Kanzlei und hat den Schriftsatz des Vaters in Hand. Sie regt sich entsetzlich auf und muss zunächst einmal beruhigt werden. Das dauert 15 Minuten. Daran schließt sich ein Sachgespräch an, indem der Anwalt versucht, herauszufinden, welche Argumente gegen die Übernachtung der Kinder beim Vater sprechen. Es stellt sich heraus, dass es wenig stichhaltige Argumente dafür gibt, und das sagt der Anwalt der Mutter auch. Die Diskussion, was von den Argumenten brauchbar ist und was nicht, dauert 45 Minuten, den Erwiderungsschriftsatz zu verfassen, weitere 30 Minuten. Die Mutter wird sich nun klar darüber, dass sie schlechte Karten hat ...Zum vollständigen Artikel


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