Anwalt muss kein Hellseher sein

Das Landgericht Aachen stellte in einer Berufungsentscheidung klar, dass ein Anwalt nicht „Hellsehen können muss“ und seinen Vergütungsanspruch nicht schon deshalb verliert, wenn er einen Prozessausgang falsch einschätzt.

Der Mandant hatte mit seinem ursprünglichen Rechtsanwalt einen Prozess vor dem Landgericht Aachen verloren. Der Rechtsanwalt legte das Mandanten danach nieder und legte keine Berufung ein, weil er davon ausging, dass die Berufung keinen Erfolg haben werde.

Der Mandant beauftragte daraufhin einen neuen Rechtsanwalt, der die Berufung durchführte und gewann. Die Bezahlung des Honorars des ursprünglich beauftragten Rechtsanwalts lehnte der Mandant daraufhin ab, weil er sich schlecht braten fühlte. Der Rechtsanwalt klagte auf Zahlung und bekam recht.

Das Landgericht Aachen, 7 S 56/10 vom 21.09.2010, hatte zwar Verständnis für die Sicht des Mandanten, kam aber zu dem richtigen Ergebnis, dass ein schuldhafter Beratungsfehler eines Rechtsanwalts nicht immer bereits dann gegeben ist, wen er die Erfolgsaussichten eines Rechtsmittels anders einschätzt als das Rechtsmittelgericht. Die rechtliche Bewertung von Lebenssachverhalten kann nur in seltenen Ausnahmefällen “richtig” oder “falsch” sein.

Die juristische Bewertung vollzieht sich zwar nach den Regeln der Logik. Sie kennt aber anders als die Mathematik nicht allein ein richtiges oder ein falsches Ergebnis. Die Rechtsanwendung ist vielmehr immer auch mit einer menschlichen und damit subjektiven Wertung verbunden ...

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