Fragen an die Strafjustiz (2): wie steht es mit der Kundenzufriedenheit?

Es war einmal ein Strafprozess, der gerade beendet wurde – das Urteil war gesprochen und der Angeklagte bedankte sich für das faire Verfahren und auch alle anderen Verfahrensbeteiligten schieden voneinander mit Händeschütteln und gesteigertem gegenseitigen Respekt. Nicht alle kamen mit ihren Interessen, ihren Überzeugungen und Wirklichkeitskonstruktionen durch. Doch auch diejenigen, die letztlich das Nachsehen hatten, fühlten sich gerecht behandelt, ernst genommen, gewürdigt und innerlich gestärkt. Offenbar war das Ergebnis nicht das Wichtigste an diesem Prozess, sondern das Erlebnis eines fairen Verfahrens, in dem alle bei allen das ernsthafte Bemühen um eine gerechte Vorgehensweise bemerkten und anerkannten. “Procedural justice” heißt das Zauberwort. Wenn ein Verfahren als fair wahrgenommen wird, dann ist man auch bereit, ein nachteiliges Urteil zu akzeptieren. Das zeigt, dass es wohl ein tiefes und wichtiges Erlebnis darstellt, in einer Gruppe relevanter Akteure ein ernsthaftes Bemühen aller wahrzunehmen, auf gerechte Weise zu einem guten und friedlichen Abschluss zu kommen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Und nun zur Kundenzufriedenheit nach einem realen Strafprozess: Der Richter macht den Angeklagten, den er gerade freisprach, zur Schnecke und seinen Anwalt gleich mit; die negativen Affekte sind offenbar noch wenig sublimiert; der Anwalt fand die gesamte Prozessführung im Grunde unwürdig und unfähig, spricht von einer “Erbärmlichkeit, die ihres Gleichen sucht”. Sogar die Nebenklägerin ist, wie man hört, auch nach dem Verfahren noch außer sich ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK