5 Jahre bis zum Freispruch

Die “Tat” soll sich 2006 ereignet haben. Eine Nötigung plus eine gefährliche Körperverletzung sollen der Mandant und ein anderer begangen haben. Den anderen konnte das angebliche Opfer nicht benennen, meinen Mandanten schon. Der wurde dann vor dem Amtsgericht angeklagt. Er hatte damals keinen Verteidiger und wurde zu sage und schreibe 1 Jahr und 3 Monaten Knast verurteilt – ohne Bewährung. Das ist schon mal ein Hammer, geschweige denn ein Skandal. Denn selbst die in meinen Augen insoweit schon sehr rückschrittliche und sparsame Justiz ordnet ab einer Straferwartung von etwa einem Jahr einen Anwalt als Pflichtverteidiger bei. Nicht so das Amtsgericht Wanne-Eickel (bzw Herne-Wanne, aber Wanne-Eickel klingt lustiger). Das verurteilte einfach mal so.

Der Mandant legte selber Berufung ein. Das Landgericht Bochum erkannte dann, dass da jemand gefehlt hat und bestellte einen Pflichtverteidiger (nicht mich) für den Mandanten. So ging es dann in die Berufungsverhandlung, sie fand am Tag X um 11 Uhr statt. Kurz vor 11 kam der Mandant am Landgericht an und wurde von einer langen Schlange an der Einlaßkontrolle überrascht. Was zur Folge hatte, dass er erst 20 Minuten nach 11 Uhr zum Gerichtssaal hetzte. Auf dem Weg dorthin kam ihm sein Pflichtverteidiger bereits entgegen und beruhigte ihn mit den Worten, er brauche jetzt nicht mehr rennen, der Prozeß sei schon verloren. Tatsächlich – nach 15 Minuten Wartezeit wurde die Berufung verworfen, weil der Mandant nicht da war. Aber anstatt den Mandanten wieder mit zurück in den Saal zu nehmen, um mit Engelszungen auf die Richter einzureden, damit die Verhandlung doch noch durchgeführt werden konnte, ging der Anwalt wieder. Verloren ...

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