Moses & Taps – International Top-Sprayer – zur Ökonomie des Graffiti-Sprühens

1.000 Züge in 1.000 Tagen – so lautet das ehrgeizig anmutende Projekt der beiden selbsternannten “International Topsprayer” Moses und Taps. In dem jüngst erschienenen gleichnamigen Buch dokumentieren Sie ihre Arbeit, die sie durch ganz Europa und bis nach Südamerika führte. Dabei beeindrucken die beiden deutschen Sprayer nicht alleine durch die bloße Menge der Bilder, sondern vor allem auch durch die unglaublich hohe Qualität ihrer Arbeit – zumal wenn man sich vergegenwärtigt, unter welchen Arbeitsbedingungen die Bilder größtenteils entstanden sein dürften. [Von diesen widrigen Umständen zeugen unzählige Videos auf YouTube. Wer sich hiervon einen Eindruck verschaffen möchte, könnte sich beispielsweise diese Dokumentation eines "Nachteinsatzes" von einigen Hamburgern Sprayern anschauen.]

Angesichts der unglaublichen Produktivität der Sprayer, stelle ich mir die Frage nach der Finanzierung eines solchen Großprojektes. Gerade die Cultural Criminology hat sich ausführlich mit dem Thema Kommodifizierung des Verbrechens und der Verbrechenskontrolle beschäftigt. Ich möchte im Folgenden jedoch einmal aus einer anderen Perspektive das Buchprojekt von Moses und Taps betrachten. 1.000 Züge in 1.000 Tagen auszukundschaften, zu bemalen und zu fotografieren erscheint eine logistische Meisterleistung zu sein, die von langer Hand geplant werden muss. Daher unterstelle ich den beiden Autoren eine rationale und gewinnorientierte Herangehensweise an das Projekt. Anhand einiger Rechenbeispielen möchte ich herausfinden, ob sich Sachbeschädigung in 1.000 Fällen eine lohnenswertes Unterfangen herausstellt.

Angenommen ein durchschnittliches Bild ist 4,5 Quadratmeter groß (1,50 Meter hoch und 3 Meter lang) und mit einer herkömmlichen Sprühdose mit 400 ml Inhalt ließen sich eine Fläche von einem halben Quadratmeter bemalen, so benötigte man pro Bild neun Dosen Farbe. Der Preis pro Farbdose liegt bei ca. vier Euro ...

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