Alter vor Kinderzahl bei der betriebsbedingten Kündigung?

§ 1 Abs. 3 KSchG besagt, dass der Arbeitgeber bei einer betriebsbedingten Kündigung die betroffenen Arbeitnehmer unter Berücksichtigung von Betriebszugehörigkeitszeit, Lebensalter, Unterhaltspflichten und einer eventuellen Schwerbehinderung auswählen muss. In der Rechtsprechung ist weitgehend ungeklärt, wie diese Kriterien untereinander zu gewichten sind.

Ein jetzt vom Landesarbeitsgericht Köln entschiedener Fall betraf zwei etwa gleich lang beschäftigte verheiratete Führungskräfte in der Metallverarbeitung, von denen der eine 35 Jahre alt war und zwei Kinder hatte, der andere 53 Jahre alt und kinderlos. Der Arbeitgeber hatte diese beiden Arbeitsplätze zu einer Arbeitsstelle zusammengefasst. Das Landesarbeitsgericht Köln entschied, dass die Kündigung des älteren Arbeitnehmers unwirksam war, weil der jüngere Arbeitnehmer im Gegensatz zum älteren viel bessere Chancen hatte, alsbald eine neue Arbeit zu finden, sodass mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Unterhaltpflichten für die Kinder gar nicht beeinträchtigt gewesen wären.

Kriterien der Sozialauswahl

Die Kriterien der sozialen Auswahl nach § 1 Abs. 3 KSchG sind nach Ansicht des Landesarbeitsgerichts Köln nicht ausreichend berücksichtigt worden, indem der der Arbeitgeber den älteren Mitarbeiter kündigte:

Eine Schwerbehinderung besteht bei keinem der beiden. Die Dauer der Betriebszugehörigkeit ist nahezu gleich, der jüngere Mitarbeiter ist seit dem 1. Februar 1991 beschäftigt, der ältere seit dem 1. August 1991. Beide Arbeitnehmer sind verheiratet; der jüngere Arbeitnehmer hat im Gegensatz zum kinderlosen Älteren zwei Kinder. Der Kläger war zum Zeitpunkt der Kündigung 53 Jahre alt, der jüngere Arbeitnehmer 35 Jahre. Gleichrangigkeit der Kriterien – Bewertungsspielraum des Arbeitgebers

Alle vier Kriterien des § 1 Abs. 3 S. 1 KSchG sind prinzipiell gleichrangig. Keinem Kriterium kommt ein absoluter Vorrang zu ...

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