Ärztliches Berufsrecht und das falsche Attest

Die Ausstellung eines fehlerhaften Attestes stellt für den Arzt auch ein Verstoß gegen das ärztliches Berufsrecht dar. So verurteilte jetzt das Berufsgericht für Heilberufe bei dem Verwaltungsgericht in Gießen eine Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie unter Erteilung eines Verweises zu einer Geldbuße von 500,- €, weil sie über eine Person, die sie nie untersucht, insbesondere auch niemals gesehen hatte, ein Attest ausgestellt hatte, das ihre Fähigkeit zur Kindererziehung in Abrede stellte.

In der Hauptverhandlung vor dem Berufsgericht in Gießen hatte sich herausgestellt, dass der geschiedene Vater von Kindern, der zuvor noch nie Patient bei der beschuldigten Ärztin gewesen war, in deren Praxis erschienen und eine Behandlung gewünscht hatte. Er war insgesamt nur zwei oder drei Male in die Praxis zum Gespräch gekommen und hatte von Problemen mit der Verarbeitung der Scheidungsfolgen berichtet. Insbesondere hatte er deutlich gemacht, dass er an der Erziehung der Kinder beteiligt werden wolle und der Ärztin ein Gutachten gezeigt, das im Rahmen des Sorgerechtsstreits über ihn und seine geschiedene Frau erstellt worden war. Darin waren u.a. die vorläufige Reduktion der Umgangskontakte des Vaters mit den Kindern und die Übertragung des alleinigen Sorgerechts auf die Mutter vorgeschlagen worden. Hinsichtlich der Mutter waren einige Anregungen und Ratschläge enthalten, um deren Erziehungssituation zu verbessern.

Auf Wunsch des Vaters, ihres Patienten, stellte die beschuldigte Ärztin diesem dann ein Attest aus, wonach seine geschiedene Ehefrau „eigentlich“ nicht in der Lage erscheine, die Auflagen bzgl ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK