Auslegung in der Klausurpraxis

Einleitung

Ich möchte mich heute mit einem Thema befassen, dass den Studenten im Grunde erst später in der Ausbildung begegnet: Der methodischen Auslegung. Ich kann mich noch an meine ersten Semester erinnern: Vorlesung „Juristische Methodik“? Nein danke! Im Nachhinein erst wird einem bewusst, wie wichtig das Handwerkszeug ist. Der Schwerpunkt der folgenden Betrachtung soll auf der Klausurpraxis liegen, also: welche Methoden und welche einzelnen Aspekte kann ich in der Hektik einer 5-Stunden Klausur abrufen und anwenden. Mir ist bewusst, dass das Thema insbesondere in der Literatur erschöpfend und z.T. hoch wissenschaftlich behandelt wird. Diese zum Teil schwere Kost ist aber für den Examenskandidaten eben nur bedingt praxistauglich, im Gegenteil: die Wiedergabe solch hochtrabender Inhalte kann bei einem Praktiker durchaus auf Befremden, schlimmer noch Abneigung stoßen; daher im folgenden ein kleiner Praxisleitfaden für Studenten und Examenskandidaten.

Ausgangslage

Sicher gibt es Klausuren, in denen man nicht auslegen muss und die bekannten Canones in der Schublade bleiben. Dennoch habe ich persönlich in Übungs-, aber insbesondere Examensklausuren die Erfahrung gemacht, dass oft Konstellationen und Tatbestände abgefragt werden, die unbekannt sind, sie es auf Grund ihrer Seltenheit oder (seltener) auf Grund ihrer juristischen Schwierigkeit. Denkbar sind beispielhaft folgende Konstellationen:

Ein Tatbestand ist neu und unbekannt; beispielsweise im Strafrecht. Man liest die Norm womöglich zum ersten Mal und muss nun die Tatbestandsmerkmale definieren und die Normstruktur erfassen. Beispiel: § 314 StGB im Rahmen des Dioxinskandals oder § 293 StGB – Fischwilderei. Der Sachverhalt bzw. die subsumierenden Aspekte sind ungewöhnlich; die Normen allerdings bekannt und es liegt auf der Hand, dass man sich mit diesen befassen muss. Beispiel: Rufe im Stadion - „Beleidigung“ des Schiedsrichters oder ein Gürtel als „Waffe“ ...Zum vollständigen Artikel


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