„Mit Steuervereinfachung kann man alles vertreten – auch das Gegenteil“

Erhitzen nicht gerade PKW-Maut, Atomkraft oder E10 die Gemüter, wird sie immer wieder gern diskutiert - die Steuervereinfachung. Dabei liegt die Bierdeckel-Erklärung in weiter Ferne, und wenn es um die Erläuterung der ständig neuen Finanzvorschriften geht, sind ausgewiesene Experten gefragt. Anlässlich der 30. Auflage des soeben erschienenen Fachkommentars Schmidt „Einkommensteuergesetz“, sprach beck-blog mit dessen Herausgeber, Professor Dr. Walter Drenseck, über die wirklichen Chancen einer Steuervereinfachung, private Steuerberaterkosten und über sein Werk.

Das Thema Steuervereinfachung wird in der Politik regelmäßig hochgekocht. Es liegt mittlerweile ein Regierungsentwurf zu einem geplanten Steuervereinfachungsgesetz vor. Herr Professor Drenseck, geben Sie dem Vorhaben diesmal eine realistische Chance?

Professor Drenseck:

Über die im Regierungsentwurf vorgesehenen Steuervereinfachungen hätte man in früheren Jahren kaum ein Wort verloren, so unbedeutend sind die beabsichtigten Vereinfachungen. So spricht auch die Steuerberaterkammer zutreffend von Kleinstschritten. Da aber im vorigen Jahr von der groß angekündigten Steuerreform allenfalls als Negativbeispiel der ermäßigte Umsatzsteuersatz für Hotelübernachtungen geblieben ist und die angekündigte Beseitigung des „Mittelstandsbauchs“ im Progressionsverlauf - wie stets in den vergangenen Jahren - wieder in der Versenkung verschwunden ist, soll nun wenigstens mit angekündigten Steuervereinfachungen gepunktet werden. Dazu hat man besonders die Anhebung des Arbeitnehmer-Pauschbetrages um jährlich 80 € (!) auf 1.000 € herausgestellt, und dabei den wochenlangen Streit innerhalb der Koalition über den Zeitpunkt der Inkraftsetzung der Erhöhung dieses Pauschbetrages mit einem Trick beendet: die Erhöhung des Arbeitnehmer-Pauschbetrages soll sich erst beim Dezembergehalt auswirken ...

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