Die Terroristen-Versteher vom SEK

Aussagen von Polizeibeamten vor Gericht sind immer etwas sehr Spezielles. Gegenüber den Profi-Juristen in Gestalt der Richter, Staatsanwälte und Verteidiger sind Polizei-Beamte bestenfalls Semi-Profis, eher interessierte Laien. Aber die Beamten sind in der Regel früher da, wissen und erfahren mehr, als alle anderen und sind Augen und Ohren der Ermittlungsakten. Gerade auch, wenn’s mal nicht so gut läuft.

Andererseits haben Polizisten tagtäglich mit Juristen und Gerichtsverhandlungen zu tun, und ahnen, wer später vor Gericht was von ihnen erwarten oder ihnen vorwerfen wird. Und meistens haben sie auch eine klare Vorstellung, wer das Feindbild ist: Die Verteidigung.

Häufig merkt man das schon an der veränderten Körpersprache, wenn Polizisten vom Strafverteidiger Fragen gestellt bekommen. Zurückhaltung ist dann oft die mildeste Vokabel. Ich habe Verfahren erlebt, in denen die identische Frage dem Staatsanwalt ausführlich beantwortet wurde, gegenüber dem Verteidiger aber plötzlich Erinnerungslücken auftraten (ebenso habe ich allerdings auch Verhandlungen erlebt, in denen Strafverteidiger ohne jeden Grund Polizisten verbal angegriffen und gedemütigt haben). Nichts von alledem gab es am Freitag. Es war Friede, Freude, Sonnenschein. Vordergründig.

Im Stuttgarter Prozess gegen Verena Becker waren drei SEK-Polizisten Zeugen. Sie plauderten offen und anscheinend vorbehaltlos. Aber was sie erzählten, hatte einen erheblichen Unterhaltungswert. Denn man kann es eigentlich beim besten Willen nicht glauben. Dabei schien es für einen Moment so, als sei im September 1978 die Aussöhnung zwischen Staat und RAF in einem Bochumer Krankenzimmer in greifbarer Nähe gewesen.

Es erschienen die drei pensionierten Polizeibeamten B., O. und D., die früher gemeinsam im Polizeipräsidium Dortmund Dienst taten. 1978 gehörten sie dem “Spezialeinsatzkommando” (SEK) an ...

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