“Nimm zwei” in der Finanzierungsberatung

Als „grotesk“ bewertete das Oberlandesgericht Nürnberg den Vorschlag einer “Finanzierungsberaterin”, beim Kauf eines Hauses fehlendes Eigenkapital durch den Erwerb einer weiteren, voll finanzierten Immobilie – hier einer Eigentumswohnung – zu ersetzen. Und verurteilte die “Finanzierungsberaterin” wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung nicht nur dazu, diesen Wohnungskauf rückgängig machen, sondern auch noch zur Zahlung weiteren Schadensersatzes an den Käufer.

Wie sich erst in der Berufungsverhandlung vor dem Oberlandesgericht Nürnberg herausgestellt hatte, wollten die Kläger, ein junges Ehepaar russischer Abstammung, für sich und ihre zwei kleinen Kinder ein Reihenhaus erwerben. Sie hatten auch schon ein ganz bestimmtes Objekt am südlichen Stadtrand von Nürnberg im Auge, das ihnen gefiel. Als Problem stellte sich dabei aber heraus, dass die Eheleute keinerlei Eigenkapital besaßen und auch das monatliche Familieneinkommen – der Ehemann arbeitete als Kraftfahrer, seine Frau jobbte auf 400.- € – Basis als Verkäuferin – mit ca. 2400.- € nicht sehr hoch bemessen war.

Hilfesuchend wandten die in geschäftlichen Dingen gänzlich unerfahrenen Kläger sich daher an die “Finanzberaterin” B. Diese errechnete einen Kostenaufwand von 216.000.- € für das Reihenhaus und vermittelte zwei Darlehen über insgesamt 171.000.- €. Zusammen mit einem weiteren Kredit über 45.000.- €, den ihnen ein anderer Finanzberater andiente, hätte das für den ersehnten Hauskauf ausgereicht. Wenn da nicht ein Haken gewesen wäre: Nachdem die Beraterin B. weitere Gespräche geführt hatte, meinte sie, die Kläger müssten entgegen der ursprünglichen Annahme nun doch eigenes Kapital nachweisen, um von den Banken überhaupt als kreditwürdig angesehen zu werden. Dies sei aber im Ergebnis kein Problem, denn für den Eigenkapitalnachweis sei der zusätzliche Kauf einer Eigentumswohnung geradezu ideal ...

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