„Wir setzen auf Sie, Herr Lotze!“

Nachtrag: Der 08. April im „Buback-Verfahren“ gegen Verena Becker. Nach den „Schweigern“ der vergangenen Verhandlungstage war an diesem Tag praktisch alles anders – und doch gleich: Zwar machte Werner Lotze Angaben – doch die halfen nicht weiter. Flapsig könnte man den Neuigkeitswert wie folgt reduzieren: Rechtsanwalt Dr. Endres war pünktlich und der Vorsitzende Richter Hermann Wieland schien einen neuen Haarschnitt zu haben. Ach und noch etwas war neu: Zumindest von Werner Lotze hat der Verfassungsschutz kein Schweigen über eine Zusammenarbeit verlangt.

Eine magere Bilanz des Verhandlungstages? Ja. Denn auch wenn die Aussage von Werner Lotze in Teilen sehr eindrücklich und von Momente der Rührung und der Reue über das Geschehene geprägt war, so brachte sie nach meinem Eindruck den Senat nicht weiter. „Wir setzen auf Sie, Herr Lotze!“, hatte der Vorsitzende ihm am Ende der Belehrung eindrücklich vermittelt. Wahrscheinlich hatte er die Sorge, Lotze könne ebenso wie Sigrid Sternebeck plötzlich die Aussage verweigern – obwohl beide nach ihrer Enttarnung als „DDR-Flüchtlinge“ umfangreich ausgesagt hatten und dafür in den Genuss der Kronzeugenregelung gekommen waren.

Doch Werner Lotze blieb bei seiner damaligen Offenheit. Wie in der Vernehmung bei der Bundesanwaltschaft und später beim Prozess, schilderte Lotze seinen Weg in die RAF und seine Mitwirkung an Banküberfällen und Anschlagsplanungen.

Der 59jährige Lotze kam sehr korrekt gekleidet in einem hellgrau-karierten Jackett zu Jeans und trug eine braune Aktentasche aus Leder. Er sah eher aus, wie sein eigener Rechtsanwalt. Doch Lotze blieb allein – er brauchte keinen Verteidiger an seiner Seite.

Er lebe in Berlin, sei berufstätig mit eigenem Einkommen und alleinstehend, gab er an.

Nachdem er Mitte der 70er Jahren maoistischen Gruppen nahegestanden habe, sei ihm das bald nicht mehr radikal genug gewesen ...

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