Fall Kachelmann: Lauf, Staatsanwalt, lauf!

© Gerd Altmann / pixelio.de

Wer mich kennt, der weiss, dass meine Station als Referendar bei der Staatsanwaltschaft durchaus traumatische Erlebnisse beinhaltete – aber keine Angst, sie beeinträchtigen mich bis heute nicht in meiner laufenden Erinnerungsfähigkeit, denn zum damaligen Zeitpunkt war ich schon eine durchaus gefestigte Persönlichkeit, und die Traumatisierungen waren auch nicht so schlimm, als dass der Therapeut Günter Seidler sie heute oder damals hätte erschnüffeln können. Von weitergehenden sachverständigen Explorationen kann also abgesehen werden, und in die Tiefen der Traumatologie kann und will ich mich nicht herab bewegen.

Aber es war doch ein Art „juristischer Kulturschock“, den ich dort erlebt habe, und der in mir nach Abschluss der dortigen Zeit eines Gewissheit werden liess: in diese „objektivste Behörde der Welt“ willst Du ganz sicher nicht noch einmal gelangen. Und es hatte definitiv nichts mit Strafrecht an sich zu tun, denn die nachfolgende Phase in einer Jugendstrafkammer wiederum gehört zu der interessantesten (und emotionalsten) Zeit meines Referendariats.

Es war aber auch krasse Gegensätze zwischen dem Zivilgericht und der StA: die erste Station verbrachte ich beim Amtsgericht, und dort geriet ich an eine der feinsten Ausbilderinnen, die man sich nur wünschen kann; die dortige Richterin war zuvor viele Jahre in einer grossen Strafkammer gewesen (nach meiner Erinnerung sogar als Vorsitzende) und hatte eine Reihe von menschlich sehr aufwühlenden Prozessen miterlebt. Ihr Mann war beruflich äusserst erfolgreich – was eine grosse finanzielle Unabhängigkeit für sie mitbrachte – und so hatte sie sich entschlossen, an das Amtsgericht zu wechseln, um weniger exponiert ihrer Passion, der Juristerei, nachgehen zu können ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK