Gibt es noch Richter in Augsburg?

Vielfach ist bereits über das Strafverfahren gegen den Münchner Strafverteidiger Lucas berichtet worden. Morgen (01.04.2011) wird nun das Urteil des Augsburger Landgerichts erwartet. Uneinsichtig bis zum Schluss hat die Augsburger Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 9 Monaten sowie 3 Jahre Berufsverbot für den Kollegen gefordert, der Vorwurf, Strafvereitelung. Nicht nur der 35. Strafverteidigertag hat mit großer Mehrheit eine Resolution bezüglich des Verfahrens verabschiedet, auch der Präsident der Rechtsanwaltskammer München hat in der Süddeutschen-Zeitung, wie der Kollege Burhoff zurecht anmerkt, mit überraschend deutlichen Worten Stellung zu dem Verfahren bezogen.
Staehle: Die Empörung über dieses Verfahren und die konkrete Gefahr für die anwaltliche Tätigkeit als Strafverteidiger machen es unausweichlich, in diesem Fall eine klare Position zu beziehen. Ich habe das vorher noch nie getan und hoffe, dass es auch nie wieder nötig sein wird. Ich hoffe, es gibt noch Richter in Augsburg.
Quelle: sz-online.de
Dieser Hoffnung kann ich mich nur anschließen. Denn ganz offensichtlich scheint es eine ordentlich ermittelnde Staatsanwaltschaft dort nicht zu geben.
Sollte das Augsburger Beispiel aber Schule machen und Verteidiger müssten künftig damit rechnen, angeklagt zu werden, wenn ihre Wahrnehmungen etwa anlässlich von Befangenheitsanträgen von denen der Richter abweichen, dann hieße das, Verteidiger einzuschüchtern - ein böses Fanal für den Strafprozess.
Quelle: spiegel.de (Gisela Friedrichsen)
Das engagierte Strafverteidiger Staatsanwälten, aber auch Richtern ein großer Dorn im Auge sind, ist nichts Neues. Immer wieder sieht man sich Anfeidungen innerhalb und außerhalb des Verfahrens durch Richter oder Staatsanwälte ausgesetzt. Ein Stück weit gehört dies wohl zum Alltag eines Strafverteidigers. Das aber Strafverteidiger zukünftig, weil sie einer anderen Auffassung sind, oder aber möglicherweise eine andere - nicht zwangsläufig falsche - Erinnerung an Gegebenheiten und Gespräche haben, als Straftäter verfolgt werden könnten, der Kollege Hoenig fügt diesbezüglich vollkommen berechtig ein "(wieder?)" ein, würde den verheerende Untergang der Freiheit der Advokatur bedeuten.



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