Schweigen ist ansteckend

Das Schweigen grassiert weiter vor dem Oberlandesgericht Stuttgart. Auch Sieglinde Hofmann, Rolf Clemens Wagner und Irmgard Möller machten im „Buback-Prozess“ gegen Verena Becker am vergangenen Freitag keine Angaben. Damit haben bislang neun ehemalige RAF-Terroristen die Aussage in dem Verfahren verweigert. Und bis auf Christian Klar sind nun vor dem Senat alle wichtigen RAF-Mitglieder erschienen, die im Frühjahr 1977 aktiv und in Freiheit waren. Klar befindet sich derzeit in Absprache mit dem Senat und der Bundesanwaltschaft in Südamerika (wohl in Venezuela). Doch auch er soll noch gehört werden.

Erster Zeugin heute Morgen war Sieglinde Hofmann. Auch an Sie richtete der Vorsitzende Richter Hermann Wieland eindringliche Worte – und erläuterte, warum er bei jedem Zeugen aus der früheren RAF so ausführlich und umfangreich den Versuch unternimmt, eine Aussage zu bekommen:

„Wir wollen ein gerechtes Urteil finden. Gerecht für Angeklagte, die Gesellschaft aber auch für die Opfer. Ein Urteil soll befrieden. Und dazu ist es schlichtweg erforderlich, dass das Gericht alles versucht, was möglich ist, um die Grundlage für das Urteil zu finden. Und Fristen gibt es eben nicht in Mordsachen.“

Doch Sieglinde Hofmann beeindruckte das nicht. Abweisend saß sie auf dem Zeugenstuhl, ihre schwarze Umhängetasche hatte sie zunächst wie eine Barriere zur Richterbank auf dem Schoß stehen. Sie trug eine lilafarbene Bluse und einen etwas dunkleren Blazer, dazu ein Halstuch und wäre vom äußeren Erscheinungsbild als pensionierte Erzieherin durchgegangen. Ihr Blick war abweisend – und gab einen Vorgeschmack auf das, was kam:

Sieglinde Hofmann, 66, Rentnerin „und das reicht!“

waren ihre Angaben zur Person ...

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