Kiener-Prozess: Mitangeklagter Rechtsanwalt schlüpft in die Opferrolle

Es war alles wie beim Prozessauftakt vor drei Wochen: Denselben pflaumenfarbenen Anzug, dasselbe Hemd, dieselben Cowboystiefel trug Helmut Kiener (51) am Mittwoch bei seinem zweiten Auftritt vor der 5. Strafkammer des Würzburger Landgerichts. Und er überließ, wie von seinen Verteidigern angekündigt, dem mitangeklagten Rechtsanwalt Claus Z. das Feld und machte keine Angaben zur Sache.

Z. dagegen legte eine umfangreiche schriftliche Aussage vor, die von seinem Verteidiger Hans-Jochen Schrepfer (Würzburg) verlesen wurde. Darin schlüpft der 43-jährige Volljurist aus Mainz in die Opferrolle: Angeblich hatte er keine Ahnung davon, an einem riesigen betrügerischen Schneeballsystem mitzuwirken. „Ich war zu keinem Zeitpunkt wissentlich und willentlich an Betrugshandlungen beteiligt“, so die Einlassung des Rechtsanwalts. Er war als Geschäftsführer einer Schweizer Firma nach eigenen Worten „Dienstleister“ für Kieners Finanzgeschäfte und für Buchungen, Schriftverkehr mit den Anlegern und Gewinn-Auszahlungen verantwortlich.

Jeden Monat schickte Hedgefonds-Manager Kiener Kontoauszüge und Finanz-Statements über angebliche Gewinne der Fonds „K1 Global“ und K1 Invest“, die er auf den Britischen Jungferninseln gründete, nachdem er in Deutschland von der Bankenaufsicht gestoppt wurde. Schon seit den späten 1990er Jahren investierten tausende Anleger und mehrere Banken in die Kiener-Fonds. Spätestens ab 2006 soll der 51-Jährige nicht nur falsche Angaben über seine Anlage-Strategien gemacht und in den Prospekten Gewinne vorgetäuscht haben, die es schon lange nicht mehr gab. Auch die Unterlagen, die er seinem Buchhalter Claus Z. zukommen ließ, sollen gefälscht gewesen sein, um die Verluste zu verschleiern ...

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