Zwangsheirat für 100 Euro und ein Hemd

Für die Zwangsheirat in die Ferien: Zwangsheiraten werden fast immer im Herkunftsland geschlossen. Darum ist der neue Gesetzesvorschlag des Bundesrates gut, aber noch nicht genügend. Denn die entscheidende Hilfe brauchts in der Schweiz. Ein Interview mit der Badener Rechtsanwältin Yvonne Meier, die sich mit den Verhältnissen in der Schweiz auskennt.

Frau Meier, gemäss einer Erhebung der Stiftung Surgir soll es in der Schweiz 17’000 Fälle von Zwangsheiraten geben. Ein Drittel der Opfer soll minderjährig sein, also zwischen 13 und 18 Jahre alst. Sie haben immer wieder mit solchen Fällen zu tun. Wie läuft das ab?

Yvonne Meier: Ein Beispiel: Die 20-jährige Yasmin* fuhr 2009 mit ihren Eltern in die Ferien in den Kosovo. Das ist ihr Heimatland, aber Yasmin lebt seit 10 Jahren in der Schweiz, ist gut integriert, spricht perfekt Schweizerdeutsch und hat einen festen Job. In jenen Kosovo-Ferien wurde sie gezwungen, einen ihr völlig fremden Mann zu heiraten.

Wer hat sie gezwungen?

Die ganze Familie – Mutter, Vater, Onkel, Tanten. Die haben im Kosovo auch die Hochzeit organisiert. Ein Onkel erhielt dafür 100 Euro und ein Hemd. Mit der Heirat wollte man dem Ehemann eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz verschaffen.

Ist das das häufigste Motiv für eine Zwangsheirat?

Nein. Meistens geht es darum, die Familienehre zu wahren und die Tochter zu kontrollieren. Die Eltern begründen die Zwangsheirat teilweise damit, dass auch sie nicht wählen konnten und dass sie ihr Kind vor westlichen Einflüssen schützen wollen.

Vor welchen westlichen Einflüssen?

Dass Mädchen sich alleine mit Jungs in der Öffentlichkeit zeigen, in den Ausgang gehen, sich schminken oder freizügige Kleider tragen. Oft gibt es aber für eine Zwangsheirat verschiedene Motive – es können auch finanzielle Gründe sein. Eine verheiratete Tochter belastet das Familienbudget nicht mehr. Rein Religiöse Motive sind hingegen eher selten ...

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