Softwareindustrie als Strandräuber?

Mich erreicht ein interessanter Essay eines der führenden IT-Rechtsanwälte in Deutschland, den ich für diskussionswürdig halte. Es geht um die neue Policy mancher IT-Hersteller, für die Nutzung ihrer Software im Rahmen von Auftragsdatenverarbeitung zusätzliche "Lizenzgebühren" zu verlangen. Aus Datenschutzgründen will der Anwalt nicht mit Namen genannt werden; daher hier ein anonymer Text:

Neulich in der norddeutschen Tiefebene

Piraterie ist in aller Munde: Freibeuter nutzen fremde Texte, um sich mit akademischen Titeln schmücken zu können, Filesharer bieten beliebigen Dritten die Möglichkeit auf ihren Musik- oder Filmbestand zuzugreifen, Streamer lassen Fussballinteressierte an ihrem Pay-TV Abonnement teilhaben. Die Piraten werden mit der ganzen Härte des Gesetzes verfolgt, es sei denn, sie haben keine "gravierenden handwerklichen Fehler" gemacht, sondern nur verquert "Peinliches" geschrieben.

Noch nicht in das öffentliche Bewusstsein ist die Strandräuberei gedrungen. Als Strandräuber werden insbesondere ostfriesische Küstenbewohner bezeichnet, die mit falschen Leuchtfeuern Schiffe in Untiefen locken, die in Seenot geratene Besatzung erschlagen, um sich dann an den herrenlos an den Strand gespülten Waren zu bereichern. Weil Leuchtfeuer[1] heute nur noch selten für die Navigation in der Deutschen Bucht genutzt werden, sind die ostfriesischen Strandräuber offensichtlich mehrheitlich nach Übersee ausgewandert und haben bei grossen Softwarehäusern angeheuert. Ihre Irrfeuer nennen sie heute Lizenzen mit denen sie versuchen, Jedermann auf Riffe zu locken, um sie dann auszunehmen. Behaupten die Software-Strandräuber doch, dass beim Kauf eines Software-Programms eigentlich nur eine Lizenz für dessen Verwendung und nicht die Software selbst erworben wird ...

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