(Strafverteidiger Berlin) BGH vom 8.2.2011 zum korrigierten Rücktrittshorizont und zur Tatprovokation (3 StR 17/11)

Leitsätze KJ

1. Ein Versuch ist auch dann beendet, wenn der Täter bei unverändert fortbestehender Handlungsmöglichkeit mit einem tödlichen Ausgang zunächst nicht rechnet, unmittelbar darauf aber erkennt, dass er sich insoweit irrte.

2. Für einen minder schweren Fall reicht es aus, dass der Täter die Tat unter dem beherrschenden Einfluss einer anhaltenden Erregung über eine Provokation beging, die nicht die Erheblichkeit des § 21 StGB erreichen muss

BGH BESCHLUSS vom 8. Februar 2011

3 StR 17/11

(—)

wegen versuchten Totschlags u.a.

Gründe:

Das Landgericht hat den Angeklagten wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Mit seiner hiergegen gerichteten Revision erhebt der Angeklagte die allgemeine Sachrüge. Das Rechtsmittel hat zum Strafausspruch Erfolg.

1. Nach den Feststellungen sagte der Nebenkläger, der sich über das Verhalten des Angeklagten – seines Stiefsohnes – geärgert hatte, “Du faules Schwein, du kannst … deine Sachen packen und deine bescheuerte Mutter kannst du gleich mitnehmen.” Der alkoholisierte Angeklagte (Blutalkoholkonzentration höchstens 2,28 ‰) war sehr wütend und empört über dieses Verhalten des Stiefvaters, das er nicht länger ertragen konnte und hinnehmen wollte.

Er lief mit den Worten “Mir reicht es jetzt, jetzt bringe ich ihn um und danach mich” in die Küche, entnahm einem Messerblock ein Fleischermesser mit einer Klingenlänge von 20,5 cm, drehte sich um und stach mit dem Messer in Tötungsabsicht wuchtig in den Unterbauch des auf ihn zugehenden Stiefvaters, der dadurch eine akut lebensgefährliche Verletzung erlitt. Der Angeklagte zog das Messer heraus und hob den Arm mit dem Messer, um nochmals in Tötungsabsicht zuzustechen ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK