Gibt es ein Recht zur Lüge im Vorstellungsgespräch?

Wann darf man im Bewerbungsgespräch die Unwahrheit sagen? Gibt es überhaupt ein solches Recht? Ja, das „Recht zur Lüge“ gibt es tatsächlich – selbstverständlich aber nur in bestimmten Situationen.

Das „Recht zur Lüge“ steht dem Bewerber um eine Arbeitsstelle zu, der sich mit einer unzulässigen Frage des Arbeitgebers konfrontiert sieht. Das Dilemma ist dabei immer folgendes: Der Arbeitgeber stellt eine unzulässige Frage. Dem Arbeitnehmer ist klar, dass er die Stelle nicht bekommt, wenn er die Frage wahrheitsgemäß beantwortet. Es hilft ihm auch nicht, den Arbeitgeber auf die Unzulässigkeit der Frage hinzuweisen, denn dann wird der sich bestimmt nach einem anderen Bewerber umschauen. Damit der Bewerber nicht schutzlos ist, darf er den Arbeitgeber in dieser Situation belügen.

Was ist also die Voraussetzung für das „Recht zur Lüge“ im Rahmen des Vorstellungsgesprächs? Die Frage des Arbeitgebers muss unzulässig sein.

Unzulässig sind solche Fragen, bei denen das berechtigte Interesse des Arbeitgebers hinter das allgemeine Persönlichkeitsrecht oder andere verfassungsrechtlich geschützte Positionen des Bewerbers zurücktritt.

Verfassungsrechtlich geschützte Positionen ergeben sich aus den Grundrechten, z.B. der Glaubensfreiheit nach Art. 4 GG oder der Koalitionsfreiheit nach Art. 9 Abs. 3 GG. Auch Fragen, die den Zielen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) zuwider laufen, können unzulässig sein ...

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