Jud Süß vor dem Arbeitsgericht

Nehmen wir an, Sie würden ein Kino betreiben. Nehmen wir weiter an, Sie hätten einen Geschäftsführer oder Spielleiter, der Ihnen “Jud Süß”, Veit Harlans antisemitischen Propagandafilm von 1940, auf den Spielplan setzt. Jetzt müssen wir den Fall ergänzen: Nehmen Sie an, er hätte es schon getan und Sie würden aus den Zuschauerprotesten davon erfahren (in Deutschland sagt’s Ihnen vermutlich auch die Staatsanwaltschaft, wenn Sie es verpennt haben).

In Ungarn, derzeit in Europa nicht gerade als Hort freier Medien im Gerede, ist genau das passiert. Der Arbeitgeber feuerte den Geschäftsführer, und wir vermuten, das geschah, weil er den Film als – sagen wir mal – ungeeignet beurteilte. (Zweifel sind angebracht, weil, wie der sehr spärlichen Berichterstattung zu entnehmen ist, der Arbeitgeber eine nationalistische und ziemlich rechtsgerichtete Veranstaltung sein soll).

Damit kam die Sache vor das Arbeitsgericht. In Ungarn. Das allerdings erklärte die Kündigung für unwirksam. Der Film sei nicht als politische Propaganda einzustufen. Ziemlich atemberaubend, aber – soweit man die Berichterstattung verfolgen kann – eine vor allem formalistisch gemeinte Argumentation. Offenbar musste der Geschäftsführer nur für politische Vorführungen die (hier fehlende) Genehmigung seiner Dienstherren einholen, so dass es entscheiden auf den politischen Charakter der Vorführung ankam. Womit man wieder belegt hätte, dass Juristen Haarspalter sind, aber den Sinn ihrer Handlungen nicht verstehen ...

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