Richter mit nicht nur schriftstellerischen Qualitäten: Urteile in Reimen II – AG Oldenburg vom 16. März 1987

Das Wort ist die „Waffe“ des Juristen. Dass nicht nur Bernhard Schlink schriftstellerische Qualität aufweisen kann, zeigt das Urteil des AG Oldenburg vom 16. März 1987 (3 C 443/86). Danach ist begründet auch eine Mahnung in Versform den Verzug mit den entsprechenden Folgen. Das Urteil aus der NJW SchlHA 1987, 115-116, ist hier wiedergegeben:

Tatbestand

(Oldenburger Schweinemastprozeß)

Die Klägerin liebt Schweinebraten – besonders, wenn er billig ist -, drum hat der Onkel ihr geraten: “Kauf dieses süße Ferkelchen von mir für hundert Märkelchen – wenn das nicht superbillig ist! – ich mäste es im Koben hier und du ersetzt das Schrotgeld mir!” Der Freund, befragt, hält’s auch für billig und einen guten Tip fürwahr, und ohne Murren zahlt er willig zweihundert Mark gleich schon in bar.

Das Ferkelchen bleibt lange klein, will gar nicht gerne schlachtreif sein, statt nur vier Monat, wie gedacht, benötigt es beinahe acht. Ums Schrotgeld nun für diesen Braten ist man sich in die Haar’ geraten. Für’s Angebot, das sie gemacht, hat sie der Onkel ausgelacht: “Noch zwanzig Mark, das reicht nicht aus, dann bleibt das Schwein bei mir im Haus. Ich werd es für mich selber schlachten und in die Tiefkühltruh’ verfrachten!” so spricht der Onkel, der besagte, im Rechtsstreit nunmehr der Beklagte. Gesagt getan, das fette Schwein, paßt grad noch in die Truhe rein!

Die Klägerin, nun voller Groll, beantragt: Der Beklagte soll ihr gutes Geld ihr wieder geben, nachdem das Schwein nicht mehr am Leben! Doch der Beklagte wendet ein: “Die Klag’ wird abzuweisen sein ...

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