Geschichten aus dem Wienerwald

Peter-Jürgen Boock in Stammheim

Eigentlich wollte ich über die Befragung von Peter-Jürgen Boock hier zusammenfassend nach Abschluss seiner Vernehmung berichten. Aufgrund zahlreicher „Ermunterungen“ aus der Leserschaft und der Tatsache, dass am Donnerstag mit Silke Maier-Witt die nächste Zeugin kommt, obwohl Boock noch nicht fertig ist, schreibe ich schon jetzt – und bleibe damit in der Chronologie des Prozesses. Aber viel zu sagen gibt es nicht. Die Tage mit Boock waren unter dem Strich eine Luftnummer. Es gab Geschichten aus dem Wienerwald.

Ich entleihe mir diesen Titel aus zwei Gründen bei Ödön von Horváth: Erstens hatte Boocks Aussage durchaus den Charakter eines „RAF-Volksstückes“. Und zweitens erzählte er immer wieder wirklich vom Wienerwald. Denn das gleichnamige, frühere Brathähnchen-Imperium war ein wesentlicher Teil der RAF-Logistik: Weil es in den 1970er Jahren überall in Deutschland Wienerwald Filialen gab und es durchaus üblich war, sich in einer Kneipe am Tresen anrufen zu lassen. Das nutze die „zweite Generation“ der RAF: Telefontermine wurden derart ausgemacht, dass man nur den Ort und die Zeit verabredete. Damit war klar: Dort im entsprechenden Wienerwald. Wie sich diese Nutzung des damaligen Brathähnchen-Giganten (der damals dabei war, die Welt mit einer Filial-Kette zu überziehen) mit den antiimperialistischen Vorstellungen der RAF vereinbaren ließ, erläuterte Boock allerdings nicht.

Überhaupt sei der Terror-Alltag mit einer Menge praktischer Probleme durchsetzt gewesen: So habe man sich bemüht, möglichst niemals Autos zu benutzen sondern sei immer mit öffentlichem Personennahverkehr gereist, um Kontrollen zu entgehen. Möglichst auch nicht von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof, sondern zwischen Vorortbahnhöfen ...

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