Lang lebe der Lunch-Check

Der Lunch-Check hat den Charme einer Rationierungsmarke, trotzt aber Finanzkrisen und Übernahmeversuchen. Ein Plädoyer für ein Unikum, das in Zürich derzeit für heisse Köpfe sorgt.

Nur schon das Wort «Lunch-Check». Das klingt nach Pausenapfel und Rabattmarke. Und erst das Design mit dem Retro-Chic einer alten Briefmarke. Und das Logo mit dem Reiz einer Kleinanzeige im «gelben Heftli» aus den siebziger Jahren. Direktor Ernst Schneider, graumelierter Herr in grauem Anzug mit hellgrauer Krawatte, sagt: «Eine renommierte Werbeagentur hat uns dringend abgeraten, das Design zu ändern. Das sei heute Kult.»

Die Standuhr tickt im abgedunkelten Besprechungszimmer des Lunch-Check-Geschäftssitzes im Zürcher Enge-Quartier. Unangezündete Kerzen warten auf dem Beistelltisch. Stuckaturen verzieren die Decke. An den Wänden hängt gerahmte Natur aus früheren Jahrhunderten. Hier ist die Zentrale des Lunch-Checks, dieses Papierchens von nur gerade drei auf vier Zentimeter, das zum Erfolgsmodell wurde, aber jetzt durch einen trotzigen Sparentscheid der Stadt Zürich gefährdet ist.

Dabei erzielte die Schweizer Lunch-Check 2009 – im Jahr der globalen Finanzkrise – einen Umsatz von 81,6 Millionen Franken. 500 Arbeitgeber, darunter die Stadt und der Kanton Zürich, geben 40000 Angestellten die Verpflegungsgutscheine ab, die in 4500 Restaurants in der ganzen Schweiz eingelöst werden können. Und der Gewinn? «2009 waren es 31862 Franken und 44 Rappen», sagt HSG-Ökonom und Lunch-Check-Chef Schneider und ergänzt: «Wir sind eine Genossenschaft und somit nicht gewinnorientiert.» Ein Satz wie aus einer anderen Welt. Die Standuhr tickt gemütlich weiter. Nichts von Gewinnmaximierung, kein Geschwafel von Shareholder-Value. Hier zählt der «Member-Value».

«Eine Win-win-win-Situation»

Die Nutzer der Checks standen schon bei der Gründung im Jahr 1961 im Vordergrund ...

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