Lobo und das Recht: Replik aus der digitalreaktionären Ecke

La Oliva ist eine Gemeinde im Norden der Kanareninsel Fuerteventura. Vom gleichnamigen Hauptort aus wurde die gesamte Insel zwischen 1708 und 1859 regiert – diese Zeit ist längst vergangen, heute zeugt nur noch der mächtige Gutshof des Herrscherclans der Coroneles von Ruhm und Glanz vergangener Tage. Sascha Lobo hat sich und seiner markanten roten Irokesenfrisur in La Olivia eine kleine Auszeit vom stressigen Alltag als „Autor, Blogger, Microblogger und Strategieberater mit den Schwerpunkten Internet und Markenkommunikation“ gegönnt und die interessierte (?) Öffentlichkeit selbstredend darüber informiert. Währenddessen – so weit reichte die Auszeit dann doch nicht – verkündete uns Lobo auf seinem neuen publizistischen Spielplatz „Die Mensch-Maschine“ auf Spiegel Online – das Resultat seiner jüngsten rechtswissenschaftlichen Studien und fordert, dass Schmähungen und Abfälligkeiten im Internet im Rahmen einer fortschrittsbedingten Anpassung ohne rechtliche Sanktionen bleiben müssen. „Pöbler an die Maus“ ist fortan sein Schlachtruf.

Das klingt knackig. Humbug bleibt es trotzdem.

Der geschätzte Kollege Thomas Stadler hat bereits einen „Thema verfehlt!“-Zwischenruf platziert und darauf hingewiesen, dass sich relevante Gefährdungen der von Lobo auf der roten Liste verorteten Meinungsfreiheit nicht aus dem Verbot von Beleidigungen und Schmähkritik ergeben, sondern viel eher durch die von Teilen der Rechtsprechung forcierte meinungs- und medienfeindliche Abwägung bei kritischer Berichterstattung.

Irritierend an Lobos Appell für eine „Beleidigungskultur“ speziell für das Internet ist noch ein weiterer, grundlegender Umstand: Lobo begründet sein Ansinnen mit der Meinungsfreiheit als höchstem digitalen Gut: Zu fließend sei die Grenze zwischen berechtigter Sanktionierung und der Beschneidung des Rechts auf Meinungsfreiheit ...

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