Wer bei bild.de anonymisiert wird, den kennt bald die ganze Welt

Erst letzte Woche berichteten wir über das Phänomen der unzureichenden Anonymisierung in einem Urteil über eine gewisse “Natascha K”. Bild digital hat nun für die Medien wie auf Bestellung ein Beispiel geliefert, das plakativer nicht sein könnte. Vorgestern wurde auf bild.de über einen verschwundenen Münchener Tankstellenchef namens “Peter M.” berichtet, der nun wieder aufgetaucht ist und seine Abwesenheit damit begründete, er sei entführt worden, was möglicherweise nicht stimmte.

Möchte die Presse in ihrer Berichterstattung den Namen einer Person nennen, hat sie zwischen dem Interesse des Betroffenen am Schutz seiner Privatsphäre auf der einen Seite und dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit auf der anderen Seite abzuwägen. Als Besonderheiten in der hier zu treffenden Abwägung sind zu nennen, dass der Tankstellenchef nicht nur angebliches Opfer einer Straftat ist und daher möglicherweise besonderen Schutzes bedarf, sondern zugleich Täter sein könnte, indem er eine Straftat vorgetäuscht hat, die so nicht passiert ist. Erwähnt wird außerdem ein Haftbefehl gegen ihn wegen Untreue und Betrugs. Bei der Verdachtsberichterstattung fällt die Abwägung nach den dafür von der Rechtsprechung aufgestellten Kriterien noch schwieriger aus, da die Stigmatisierung des Betroffenen wegen eines bloßen Verdachts vermieden werden soll. Ob hier bild.de über den Tankstellenchef so berichten darf, dass er identifizierbar ist, soll uns nicht weiter beschäftigen.

Auffällig ist, dass bild ...

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