Tabuwörter bei Google und Bing - wie Suchmaschinen sich an Kriminalprävention versuchen

Der amerikanische Kriminologe Edwin H. Sutherland hat in seiner Theorie der differentiellen Assoziation darauf hingewiesen, dass Straftatbegehung nicht nur die böse Absicht und Gelegenheit voraussetzt, sondern auch ganz banal Kenntnisse über die Techniken der Begehung eines Delikts. Die erfolgreiche Karriere als Straftäter setzt voraus, dass man sich solche Techniken aneignet und sie praktisch einübt. Eine quasi natürliche Hürde vor der Straftat ist daher regelmäßig schlicht die Unwissenheit, wie man denn ein bestimmtes Delikt überhaupt ausführen könnte, ohne dabei erwischt zu werden. Nun war dieses Knowhow in der Zeit Sutherlands noch nicht an jeder Ecke verfügbar, so dass Sutherlands Theorie insofern recht überzeugend wirkte: Für manche Informationen musste man wohl zunächst die entsprechenden Informanten ausfindig machen und kennenlernen, und sie waren als künftige Konkurrenten auch nicht gerade besonders auskunftsfreudig, kurz: man musste schon selbst einen entscheidenden Schritt auf die Seite des Unrechts tun, bevor man gewisse Fertigkeiten überhaupt erlernen konnte.

Mit dem Internet und vor allem mit Google ist heute alles anders: Nahezu ungefiltert erhält der (weitgehend anonym) suchende User jede Menge Informationen über kriminelle Fertigkeiten: Wie man Schlösser knackt, ist dabei noch das harmloseste Beispiel. Die Internet-Anleitung zum Bombenbau fehlt in keinem internetskeptischen Beitrag. Mehr noch: Durch die Funktion "Autovervollständigen" hilft Google sogar noch denen, die nicht einmal die Suchwörter richtig schreiben oder die Suchanfrage richtig formulieren können, auf die kriminellen Sprünge.

Besonders geärgert hat sich über die Autovervollständigen-Funktion die Musikindustrie. Sie hat jetzt einen Erfolg zu vermelden: Wer in Google nach den Begriffen "rapidshare", "torrent" oder "megaupload" suchen will, dem wird nicht mehr schon nach der bloßen Eingabe von "ra", "tor" oder "mega" der treffende Suchbegriff angeboten ...

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