Landgericht: LKA Bayern setzt rechtswidrig Screenshot-Trojaner ein

Wie Strafverteidiger Patrick Schladt aus Landshut soeben mitteilt, hat das Bayerische Landeskriminalamt den PC eines seiner Mandanten über Monate hinweg mit einem Spionage-Trojaner illegal ausgeforscht. Alle dreißig Sekunden, so Rechtsanwalt Schladt, hat die staatliche Überwachungs-Software ein Bildschirmfoto des Browser-Inhalts geschossen und die Screenshots heimlich über das Internet an die Ermittlungsbehörden übertragen – zu Unrecht, wie jetzt das Landgericht Landshut festgestellt hat: Mit rechtskräftigem Beschluss vom 20. Januar 2011 entschied das Gericht, dass diese Maßnahme rechtwidrig war, da es keine gesetzliche Grundlage für eine derartige behördliche Ausforschung gibt. Die parellel zu der Browser-Überwachung (Rechtsanwalt Schladt: “Video mit einer Framerate von 2 Bildern pro Minute”) durchgeführte Überwachung der Skype-Telefonie ließ das Landgericht hingegen unbeanstandet.

Aus juristischer Sicht ist das Vorgehen des LKA, das die Behörde in einer Stellungnahme gegenüber dem Landgericht auch offen einräumt, ein nicht hinnehmbarer Rechtsbruch. In einem Rechtsstaat kann es – selbstverständlich – keine Eingriffe der Sicherheitsbehörden in Grundrechte ohne eine gesetzliche Ermächtigung geben. Eine solche Rechtsgrundlage enthält die Strafprozessordnung für Eingriffe in die Vertraulichkeit und Integrität eines Computers jedoch nicht. Das Amtsgericht Landshut hatte zwar im Vorfeld die “Überwachung und Aufzeichnung des Telekommunikationsverkehrs auf Ton- und Schriftträger” einschließlich “Telekommunikationsverkehr über HTTPS” angeordnet – die Anfertigung von Bildschirmfotos aber war von der amtsgerichtlichen Anordnung nicht umfasst.

Nach Meinung von Verfassungsrechtlern ist bereits eine Maßnahme rechtswidrig, die lediglich über das Internet geführte Telefongespräche mitschneidet (sog. Quellen-Telekommunikationsüberwachung, kurz Quellen-TKÜ) ...

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