Wie man mit Fehlern Geld verdient

Zwei Gerichtspräsidenten beherrschen das Einmaleins des Erbrechts nicht. Davon profitiert unfreiwillig der Kanton Aargau.

Manchmal sind auch einfache Fälle für Aargauer Bezirksrichter zu kompliziert. Da stirbt die Auslandschweizerin Dagmar Müller* im August 2004 in Athen. Sie hinterlässt kein Testament, aber einen britischen Ehemann und eine Tochter. Diese beiden erben deshalb Müllers Vermögen von rund 95’000 Franken zu gleichen Teilen. Nach einem halben Jahr stirbt auch die Tochter. Ihr Nachlass geht an den Vater, da sie ledig ist und weder Testament noch Nachkommen hinterlässt. Drei Monate später stirbt auch er.

Da nimmt sich Ende 2006 der damalige Kulmer Bezirksgerichtspräsident der Sache an – weil Dagmar Müller im Bezirk heimatberechtigt war. Und der Kulmer Richter macht gleich am Anfang zwei grobe Fehler. Erstens sucht er nach den Erben der Auslandschweizerin Müller, obwohl diese im Moment ihres Todes völlig klar waren: Tochter und Ehemann. Zudem bezeichnet er deren Bruder als Erbe. Auch das ist völlig falsch – so falsch, dass jeder Jusstudent durch die Prüfung gefallen wäre, hätte er dasselbe behauptet. Ein Bruder kann nämlich gar nicht gesetzlicher Erbe sein, wenn Ehemann oder Tochter zum Zeitpunkt des Todes der Erblasserin noch leben. Und das war 2004, als Dagmar Müller starb, der Fall.

Vier Jahre lang passiert dann nichts in Kulm, bis der neue Gerichtspräsident Christian Märki die Sache in die Hand nimmt. Er erkennt den Fehler seines Vorgängers – macht aber sofort selbst einen. Im Mai 2010 teilt er Dagmar Müllers Bruder mit, er sei nun doch nicht Erbe, nur deren Tochter und Ehemann hätten geerbt. Und weil die Tochter vor dem Vater verstorben sei, sei das Vermögen ganz beim Vater gelandet. Soweit alles richtig. Dann kommt Märkis grober Schnitzer: Weil dieser später ebenfalls verstorbene Ehemann keine Erben habe, behauptet er, falle das Vermögen nun an den Kanton Aargau ...

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