Public Criminology: „Bin ich kriminell?“ – Plakat-Kampagne zum Thema “fiddling” am Arbeitsplatz

Haben Sie schon mal einen Kugelschreiber aus dem Büro eingesteckt oder schon mal Ihre Reisekosten zu Lasten Ihres Arbeitgebers aufgerundet? Sind Sie schon mal ein bisschen später zur Arbeit gekommen, ein bisschen früher gegangen und haben zwischendurch die ein oder andere nicht-reguläre Zigaretten- und Kaffeepause eingelegt? Ja?! Dann haben Sie sich strafbar gemacht! Wussten Sie es noch gar nicht? Sie sind kriminell! Ihr Vergehen: Fiddling. Ob Bürodiebstahl, Spesenbetrug oder das Nichteinhalten von Unternehmensregeln, Fiddling beschreibt Bagatelldelikte und ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig.

Die Kampagne „Bin ich kriminell?“ wurde aus der Frage heraus entwickelt, ob fiddling wirklich ein akzeptabler und moralisch vertretbarer Kündigungsgrund ist und ob es die Kriminalisierung einzelner Angestellter rechtfertigt, obwohl sie sich im mitunter jahrelang bestehenden Beschäftigungsverhältnis nichts zu Schulden haben kommen lassen?

Der Fall „Emmely“, bei der der Kassiererin Barbara Emme fristlos gekündigt wurde, weil sie zwei ihr nicht gehörende Pfandbons im Wert von 1,30 Euro eingelöst hatte, veranschaulicht, dass es sich auf symbolischer Ebene längst um einem Streit zwischen scheinbar entmündigten Arbeitnehmern und gewissenlos handelnden Arbeitgebern handelt. Es entsteht der Eindruck, dass immer mehr Arbeitgeber die Option der Verdachtskündigung nutzen, um ihre Angestellten schnell und bequem loszuwerden. Dieser Eindruck erhärtet sich zudem dann, wenn die Angestellten Betriebsratsmitglieder sind oder einer Gewerkschaft angehören.

Die Poster der Kampagnen zeigen vier Arbeitnehmer als Verbrecher ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK