Von erwiesener Unschuld "in etwa so weit entfernt wie die Sonne vom Mond"

Am Ende erlaubte Jin Wang dann doch einen kurzen Blick in sein Innenleben: „Wir sollten einen Männerrechte-Verein gründen – für alle Männer, die von Frauen ausgenutzt und geschädigt werden“, sprach der 50-jährige Dirigent mit großer Geste in die versammelten Fernsehkameras und Mikrofone. Mit diesem Satz – mehr ließen seine Begleiter nicht zu - zeigte der ehemalige Generalmusikdirektor deutlich, dass er trotz Freispruch vom Vorwurf der sexuellen Nötigung einer Musikstudentin alles andere als zufrieden war mit dem, was ihm der Vorsitzende Richter Claus Barthel zu sagen hatte.

Denn „von einem Freispruch wegen erwiesener Unschuld sind sie in etwa soweit entfernt wie die Sonne vom Mond“, betonte Barthel am Ende des neuntägigen Prozesses. Viele skurrile Begebenheiten trugen sich seit Anfang November im Schwurgerichtssaal des Würzburger Landgerichts zu, wenn Jin Wang sich die Ehre gab.

Einmal spielte der Angeklagte in einer Sitzungspause eigens für einen Fotografen der Boulevardpresse ein kurzes Stück aus der Oper „Tosca“, ehe der Staatsanwalt die musikalische Einlage unterband. Ein anderes Mal machte sich Wang beim Gericht unbeliebt, weil er lieber an einer Komposition arbeitete, statt dem Prozess zu folgen. Der 50-Jährige habe einen denkbar schlechten Eindruck hinterlassen, sagte Barthel: „Wer so wie sie einen Strafprozess nutzt, um sich selbst zu inszenieren, der lässt Zweifel aufkommen, ob er künstlerisch wirklich so gut ist wie er behauptet.“

Begründete Zweifel hatte das Gericht auch in einem entscheidenden Punkt, der dann zu dem Freispruch nach dem eisernen Grundsatz „in dubio pro reo“ führte. Fest steht für die Richter, dass sich Wang vor und auch nach der angeklagten Tat wochenlang um die Studentin bemühte, sie zum Essen und zu Konzerten einlud und ihr Parfüm und sogar Stroh für ihr Kaninchen schenkte ...

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