Polizeichaos in Singen?!

Ergänzend zur Diskussion um die bislang gesperrte Verfassungsschutzakte ist noch der sonstige gestrige Verhandlungstag im Buback-Prozess gegen Verena Becker nachzutragen. Als Zeugen waren drei ehemalige Polizisten geladen, zwei davon BKA-Beamte und ein Beamter der Landespolizeidirektion Karlsruhe. Dabei war der Tag immer wieder für Überraschungen gut:

So erklärte der BKA-Beamte Sch., seine Aufgabe sei die Asservierung (Erfassung und amtliche Aufbewahrung) von Gegenständen am Festnahmeort von Verena Becker und Günter Sonnenberg in Singen gewesen. Er sei jedoch erst am Nachmittag am Tatort angekommen und habe die betreffenden Gegenstände nicht mehr am Tatort selbst, sondern in der Kriminalaussenstelle vorgefunden. Sch. begann seine Aussage ganz biblisch: “Es war ein Tohuwabohu” dort - und er sei bei seinem Versuch der Systematisierung stets darauf angewiesen worden, dass die ihm gegenüber gemachten Angaben der Singener Polizeikollegen zutreffend gewesen seien. Kernfrage in Bezug auf Sonnenberg und Becker: Wem ist welches Fundstück zuzuordnen? Bei der Tatwaffe im Fall Buback - und möglicherweise bei weiteren Fundstücken, wie einem Suzuki-Schraubenzieher - sind das durchaus wesentliche Fragen.

Eigentlich habe das BKA ein nahezu “idiotensicheres” Asservierungssystem für solche Fälle gehabt, erklärte Sch. Doch Probleme seien immer entstanden, wenn das BKA nicht auch die komplette Tatortarbeit gemacht habe. Kein Satz für empfindliche Polizistenohren. Fragt man in Singen, wie der Festnahmetag 1977 abgelaufen ist, kommen mit Blick auf die BKA-Beamten noch heute schnell Vokabeln wie “Bevormundung” und “Besserwisserei” - es ist allerdings auch zu hören, dass der Inhalt eines Rucksacks erst mal auf einem Tisch ausgeleert wurde, bevor man mit der Erfassung begann. Das “Tohuwabohu” könnte also durchaus der treffende Begriff gewesen sein.

Der Beamte Sch ...

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