Stanislas Dehaene zur neuronalen Basis des Lesens

Neues Licht auf die Konkurrenz von Bild und Text wirft ein Buch von Stanislas Dehaene: Reading in the Brain. The Science and Evolution of a Human Invention, Penguin Viking, New York 2009. In diesem Buch analysiert der französische Hirnforscher – Professor am College de France und Direktor der INSERM-CEA Cognitive Neuraging Unit, wie die kulturelle Erfindung des Lesens evolutionär erworbene neuronale Fähigkeiten zur Wahrnehmung und Verarbeitung visueller Eindrücke individuell nutzt und umprogrammiert. Dabei geht es um die natürliche Fähigkeit des Gehirns, Winkel, Kanten und Kurven zu identifizieren und mit ihrer Hilfe Objekte und Gesichter zu erkennen. Dass die Schrift als Bilderschrift begonnen hat, ist ja nicht neu. Aber von der Bilderschrift zur Buchstabenschrift führt ein langer Weg, den jedes Individuum wieder nachvollziehen muss. Dazu muss es die biologischen Wahrnehmungsressourcen, die in neuronalen Netzen materialisiert sind, umfunktionieren und spezialisieren oder – wie Dehaene sagt – recyceln. Das geht aber nur auf Kosten der visuellen Wahrnehmungskraft. Die Lesefähigkeit tritt in Konkurrenz mit der Fähigkeit zur Wahrnehmung etwa von Gesichtern oder regelmäßigen Mustern ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK