„Es chunnt de schon guet“

Der Berner Staatsanwalt Klaus Feller über gut und böse, Gefühl und Vernunft, den Mörder vom Bremgartenwald und den Planetenverdampfer.

Eine junge Frau mit aufgeschlitztem Bauch, aus dem die Innereien quellen. Ein Zimmer, das von Wand zu Wand mit Blut bespritzt ist. Das 4-monatige Kind vom überforderten Djunkie auf dem Fussboden tot geschlagen. Bilder im Kopf von Staatsanwalt Klaus Feller. Und trotzdem sagt der 53-Jährige: „Momou, der Mensch ist grundsätzlich gut.“ Und das in diesem mitunter unerträglich warmen Mani-Matter-Dialekt.

„Kriminelle sind eine Minderheit. Die allermeisten Menschen werden ja nie straffällig und von denen, die es werden, finden nicht wenige zurück zum rechten Weg.“ Die kommen den Strafverfolger vom Dienst nach dem Knast manchmal im Berner Amthaus besuchen. Richtig schlimme Straftäter seien meist schlicht und einfach krank. Wie zum Beispiel jener Mann aus Bümpliz, der überzeugt war, dass ein Planetenverdampfer die Erde bedrohe und die Nachbarin als Geistperson dafür verantwortlich sei. Im Treppenhaus brachte er sie um, legte noch in der Tatnacht ein Geständnis ab und meinte ganz am Schluss: „Vielleicht habe ich aber doch die Erde gerettet.“

Ist das gut oder böse? „Falsche Frage“, antwortet Profiankläger Feller. Die Begriffe „gut“ und „böse“ würden im Strafrecht nichts taugen. Die Gesellschaft habe Straftaten definiert. Seine Aufgabe sei es, Leute, die dagegen verstossen, vor Gericht zu bringen. Basta. Das habe nichts mit Moral zu tun. Klar, manchmal packt ihn angesichts einer besonders gemeinen Straftat die Wut. „Aber diese Wut hat in meinem Job nichts zu suchen.“

Staatsanwalt Feller trennt Gefühl und Vernunft. Das bringt Distanz und schützt ihn davor, den Glauben an den Menschen zu verlieren. Nur manchmal, nachts, holen ihn die Bilder ein ...

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