Für mich bist du der Karl

Das heutige EuGH-Urteil Sayn-Wittgenstein hat mich an einen alten Freund meines Vaters denken lassen, ein Münchner Bergsteiger-Original namens Fredi, der die Angewohnheit hatte, österreichische Grenzbeamte zu hassen. Jedesmal, wenn er an die Tiroler Grenze kam (was oft vorkam, weil er fast jedes Wochenende zum Klettern ging), entspann sich folgender Dialog:

Fredi: Servus, Karl!

Grenzer: Ich heiß nicht Karl.

Fredi: Wie denn dann?

Grenzer: Ich heiß Soundso

Fredi: Ach geh, ich brech mir doch nicht die Zunge ab bloß wegen dir. Für mich bist du der Karl.

Woraufhin der Grenzer natürlich erst mal Fredis Auto eine Stunde lang von oben bis unten durchfilzte (was wiederum Fredi Grund gab, österreichische Grenzer zu hassen, usw. usf.).

Kein Adel in Österreich

Zur Sache: In Österreich (apropos) gibt es seit 1919 ein Gesetz, und zwar eines von Verfassungsrang, wonach alle Adelstitel abgeschafft sind. Se. Kais. und Kgl. Hoheit Franz Joseph Otto Robert Maria Anton Karl Max Heinrich Sixtus Xaver Felix Renatus Ludwig Gaetan Pius Ignatius, Kaiserlicher Prinz, Erzherzog von Österreich, Königlicher Prinz von Ungarn heißt somit in Österreich vergleichsweise schlicht Otto Habsburg-Lothrigen.

Zu einem Fall für das Europarecht wird dieses Gesetz, wenn es auf Adelstitel angewandt wird, die in anderen EU-Mitgliedsstaaten erworben wurden.

Die Klägerin, eine Österreicherin namens Ilonka Havel, hatte sich 1991 mit Mitte Vierzig von einem gewissen Lothar Fürst von Sayn-Wittgenstein adoptieren lassen, um unter diesem hübschen Namen ein Immobilien-Business mit Schlössern und anderen standesgemäßen Behausungen aufzuziehen.

(So ein Titel ist schon deshalb eine feine Sache, weil man ihn gleich mehrfach verticken kann. Papa Lothar scheint von dieser Möglichkeit regen Gebrauch gemacht zu haben ...

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