Weihnachtsgeld – Anspruch trotz Freiwilligkeitsvorbehalt?

Das Problem:

Oft erhalten Arbeitnehmer jahrelang ein Weihnachtsgeld. Geht es dem Unternehmen schlechter, will der Arbeitgeber die Weihnachtsgeldzahlung möglichst einsparen. Einseitig kann er das nur, wenn ervor oder spätestens mit der Zahlung klargestellt hat, dass diese freiwillig und ohne Rechtsanspruch für die Zukunft erfolgen. Tut er das nicht, entsteht nach dreimaliger Zahlung ein Rechtsanspruch auch für die Zukunft (betriebliche Übung). Oft haben Arbeitgeber deshalb in ihren vorformulierten Arbeitsverträgen Regelungen vorgesehen, in denen klargestellt werden soll, dass derartige Zahlungen freiwillig erfolgen und keinen Rechtsanspruch begründen (Freiwilligkeitsvorbehalt).

Ein solcher vertraglicher Freiwilligkeitsvorbehalt kann aber unwirksam sein. Das hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) am 08.10.2010 entschieden. Der Arbeitgeber darf zwar mit einer formularmäßige Klausel im Arbeitsvertrag die Freiwilligkeit der Weihnachtsgeldzahlung vorbehalten. Die Klausel muss aber klar und verständlich i.S.v. § 307 BGB sein. Ist das nicht der Fall, ist sie unwirksam und kann dann das Entstehen eines künftigen Rechtsanspruchs durch betrieblliche Übung nicht verhindern. Eine Klausel, wonach die Gewährung von gesetzlich oder tarifvertraglich nicht vorgeschriebenen Leistungen freiwillig sowie ohne jede rechtliche Verpflichtung erfolgt und die Leistungen daher jederzeit widerrufbar sind, ist nicht klar und verständlich. Sie verhindert daher nicht, dass bei mehrmaliger Zahlung ein Rechtsanspruch entsteht. Der Fall:

DerArbeitnehmer, ein Diplom-Ingenieur erhielt zumindest in den Jahren 2002 bis 2007 jeweils ein Weihnachtsgeld in Höhe eines Bruttomonatsgehalts. Ein ausdrücklicher Vorbehalt der Freiwilligkeit war nicht erklärt worden. Unter Hinweis auf eine Klausel im schriftlichen Arbeitsvertrag zahlte der Arbeitgeber in 2008 wegen der Wirtschaftskrise kein Weihnachtsgeld ...

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