Kompetent, aber leider chancenlos

“Vorstellungsgespräche als Blind-Date” – so ähnlich lautete ein Beitrags im Betriebsrat Blog vor einiger Zeit. Damals berichteten wir über die Pläne des Bundesfamilienministeriums, neue Wege bei Bewerbungsverfahren gehen zu wollen. Anonym gehaltene Bewerbungen sollen dabei helfen, dass Umstände wie Nationalität, Lebensalter, Geschlecht oder Aussehen nicht mehr länger zu einem schon frühzeitigen Ausscheiden im Bewerbungsverfahren führen. Denn das ist die tägliche Diskriminierung im Personalbüro: Stimmt schon der Klang des Namens eines Kandidaten nicht mit den Vorstellungen des Entscheiders überein, dann schaut er sich den Rest der Bewerbung gar nicht mehr an. Und verpasst damit womöglich den Besten von allen. Der wiederum schaut in die Röhre, öfters vermutlich.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat Ende November nun offiziell das Pilotprojekt “Anonymisierte Bewerbungsverfahren”gestartet. Mit dabei sind fünf große Unternehmen sowie drei öffentliche Arbeitgeber. Für einen Zeitraum von 12 Monaten werden dort für 225 zu besetzende Arbeitsplätze sämtliche eingehenden Bewerbungen in der Vorauswahl anonym behandelt. Es gibt drei Möglichkeiten, wie das geschehen wird:

per anonymisierten Online-Bewerbungsbogen, der speziell für ein Unternehmen angefertigt wird per standardisiertem Bewerbungsformular, das einen Fragebogen enthält per nachträglicher Anonymisierung, zum Beispiel durch Schwärzen bestimmter Stellen

Im Projekt werden alle Varianten getestet. Das Ziel lautet: Eine Einladung zum Vorstellungsgespräch soll ausschließlich aufgrund der Qualifikation des Bewerbers erfolgen.

Die Deutschen fänden solche Blind-Date-Bewerbungen grundsätzlich prima: Immerhin 56% sollen sich in einer Umfrage für ein solches Verfahren ausgesprochen haben ...

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