EGMR fällt weiteres Anti-Islam-Urteil

Ein Schulbeispiel, wie der herrschende Laizismusdiskurs einen blind machen kann für die eigentliche Menschenrechts-Problematik, ist das jüngste Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR), Şerife Yiğit vs. Türkei.

In dem Fall geht es um eine türkische Witwe, die auf Witwenrente klagt, aber abgewiesen wurde, weil sie und der Vater ihrer sechs Kinder nach religiösem Ritus geheiratet hatten und nicht nach zivilem – was in der Türkei darauf hinausläuft, dass man überhaupt nicht verheiratet ist.

Der EGMR kann darin weder eine ungerechtfertigte Diskriminierung noch eine Verletzung des Rechts auf Familienleben erkennen.

Dass die Türkei nach islamischem Ritus geschlossene Ehen benachteiligt, diene dem Ziel, eine frauenfeindliche Tradition zu beenden

which places women at a clear disadvantage, not to say in a situation of dependence and inferiority, compared to men.

Die Klägerin habe gewusst, dass sie nicht richtig verheiratet war und habe das in den 26 Jahren ihrer Beziehung leicht ändern können. Anders als in Muñoz Díaz vs. Spanien – da ging es um Roma, nicht um Muslime – sei hier die Klägerin vom Staat nicht ansonsten als Ehefrau anerkannt gewesen.

Im Grunde sagt der EGMR der Klägerin: Selber schuld, hättest Du halt vernünftig geheiratet.

Es gab zwei Minderheitenvoten, eins von dem Griechen Christos Rozakis und eins von dem Russen Anatoly Kovler. Und wie so oft sind die viel spannender als das eigentliche Urteil:

Nicht verheiratet – und wenn schon?

Eigentlich, so argumentiert Rozakis, geht es hier gar nicht so sehr um religiöse oder zivile Ehe. Die religiöse Ehe sei nur der Hintergrund – “la toile du fond” – gewesen für eine Beziehung, die über 26 Jahre anhielt und aus der sechs Kinder hervorgegangen sind ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK