“Ich erinnere mich nicht mehr, aber wenn ich es damals so aufgeschrieben habe, dann ist es auch so gesagt worden.”

Mein Mandant war angeklagt worden wegen Angaben, die er einer Polizeibeamtin gegenüber getätigt hatte. Diese hatte seinerzeit ein Protokoll über die Vernehmung angefertigt, dem die angeblichen Angaben des Mandanten zu entnehmen waren.

In der Hauptverhandlung in erster und zweiter Instanz hatte sich mein Mandant darauf berufen, diese Angaben so nicht getätigt zu haben. Er erklärte dann, daß ihn die Polizeibeamtin wohl falsch verstanden habe. Eigentlich habe er dieses und jenes mitgeteilt.

In beiden Instanzen wurde die Polizeibeamtin als Zeugin gehört. Zunächst bekundete sie ausdrücklich, daß mein Mandant sich damals genau so wie angeklagte geäußert habe. Erst auf kritische Nachfragen meinerseits, an welcher Stelle der Vernehmung und in welchem Zusammenhang er das gesagt habe, korrigierte sie sich und fiel auf den Aussageklassiker zurück: “Das ist schon so lange her. Ich erinnere mich nicht mehr an die genauen Angaben, aber wenn ich das damals so aufgeschrieben habe, dann ist es auch so gesagt worden.” Letztlich wollte die Zeugin einen Irrtum allerdings nicht vollständig ausschließen.

Die erste Instanz hatte meinen Mandanten wegen der Tat verurteilt. Die zweite Instanz beließ es bei der Verurteilung und formulierte im Urteil wie folgt:

“Die Kammer sieht keinerlei Anhaltspunkte dafür, daß es tatsächlich ein Mißverständnis gab ...

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